März 11

Wenn die Zeit die Wunden heilt…

Ich denke jeder der unter einer Depression litt und noch dabei ist, diesen unliebsamen Besucher los zu werden, kennt das ständige auf und ab. Vielleicht kennen es auch die Menschen, die mit depressiven Menschen zu tun haben. Egal ob es die Freundin, der Ehepartner oder ein Arbeitskollege ist. Der betroffene verändert sich, wird ruhiger, vielleicht eine gewisse Traurigkeit oder eine Antriebslosigkeit. Es gibt viele verschiedene Anzeichen, die eine Depression ankündigen. Und dann kommen die ersten schlimmen Sätze… „Man kann sich auf dich gar nicht mehr verlassen…“, “reiß dich mal zusammen…“, „stell dich nicht so an…“ oder „denkst du vielleicht auch mal an deine Mitmenschen…“. Das sind Sätze, die einen, an einer Depression erkrankten Menschen nicht wirklich gut tun. Im Gegenteil. Da die Antwort auf diese Fragen meistens „Nein, das kann ich nicht mehr“ lautet, wird ein weiterer Teil des dringend benötigten Selbstvertrauens begraben. Und schon hat die Gedankenspirale neues Futter.

Irgendwann wird hoffentlich rechtzeitig die Depression bemerkt, diagnostiziert und schließlich auch behandelt. In der akuten Phase werden die Mitmenschen, Freunde und auch die Familie anfangen Verständnis zu zeigen. Es folgt in den meisten Fällen dann eine stationäre oder teilstationäre Therapie. Mit Medikamenten, Gesprächen und vielleicht mit einer Klangschalentherapie… Verdammt, habe ich die Klangschalen gehasst.. O.K. weiter im Text. Und dann, durch die Medikament, den Kontakt mit anderen Betroffenen und den geschützten Raum einer Therapieeinrichtung, geht es dem „immer noch“ depressiven Menschen scheinbar besser. Man kann wieder lachen, man freut sich über Dinge, die schon lange keine Freude mehr ausgelöst haben und schon denken alle Mitmenschen „Zum Glück ist alles wieder gut und es wird wieder alles normal…“.

Jetzt ist der Zeitpunkt an dem die meisten Mitmenschen dann davon ausgehen, dass die Depression genauso wie ein Beinbruch ist. Du hast eine Therapie gemacht, du hast Medikamente bekommen und du siehst wieder gut aus. Und dann kommen die Sätze, die noch schlimmer sind und meist immer mit „Jetzt geht es dir ja besser und jetzt musst du…“, „Die faule Zeit ist jetzt vorbei…“ oder „ Jetzt kannst du das ja wieder…“. Da jeder weiß, dass man natürlich wieder laufen kann wenn der Gips wieder ab ist, geht auch jeder davon aus, dass ein depressiver Mensch nach einer Therapie wieder völlig gesund ist. Und vielleicht (leider zu oft) glaubt der Betroffene das auch. Aber weit gefehlt.

Es soll alles wieder so sein wie vor der Erkrankung. Aber das ist es nicht. In normalen Leben gibt es halt nicht die Käseglocke, unter der man sich in der Therapie sicher und somit auch gestärkt gefühlt hat. Es „müssen“ wieder Aufgaben und Situationen erledigt werden, die es im Therapiebereich nicht gegeben hat. Und die Tabletten, auf die man eingestellt wurde gaukeln einem vor, dass Archimedes dir nur den Hebel in die Hand geben braucht und du das ganze Universum aus den Angeln heben kannst. Die ersten Aufgaben scheitern und das notdürftig mit Tabletten zusammengeflickte Selbstbewusstsein geht wieder auf Urlaub. Und wenn sich das mit den scheiternden Aufgaben wiederholt, dann steht auf dem Beipackzettel des Selbstbewusstseins „Unbekannt verzogen!!“. Das Grübeln geht wieder los, die Selbstzweifel feiern auch wieder mit und der ganze Mist fängt von vorne an, weil die alten/neuen Aufgaben und Situationen einfach noch zu groß sind.

Was die Genesung von einer Depression braucht, ist viel Zeit, noch mehr Geduld und das eigene Tempo. Das eigene Tempo und nicht das der gesunden Menschen. Und das müssen die Mitmenschen verstehen, ob sie es wollen oder nicht. Und der Satz „erkläre mir es doch…“ wird auch keine Klarheit bringen. Versucht doch mal einem Menschen, der sich noch nie das Bein gebrochen hatte, zu erklären wie es sich anfühlt ein gebrochenes Bein zu haben.

Im Moment (Jetzt!! zurzeit!! nicht für die Zukunft und es ist auch nichts Persönliches!!) habe ich mehr Kontakt zu Menschen, die wissen wie es ist mit einer Depression zu leben oder gelebt zu haben. Ich habe auch keine Lust mehr es ständig zu rechtfertigen, warum ich nicht mehr das oder das kann oder noch nicht wieder kann.

Nach vielen Rückschlägen aus oben genannten Gründen habe ich viel gelernt. Ich habe gelernt in kleinen Schritten zu gehen.

Soviel für heute, alles liebe, Pam

Katgeorie:Allgemein | Kommentare deaktiviert für Wenn die Zeit die Wunden heilt…
März 4

Wenn das Leben wieder Spaß macht…

Die letzten Jahre waren eine echte Qual, die Depression und die Ängste haben mein Leben gelähmt. Mein Leben? Nein, auch das Leben meiner Frau Sabine und das Leben meiner Kinder. Und lange habe ich kein Licht am Ende des Tunnels gesehen. Unsere Wohnung war mein Gefängnis. Rollladen runter, Klingel aus und keine Besuche. Und dann das Gefängnis im Kopf, das mir die Depression und die Ängste auferlegt haben. Eine Zeit, die man keinem Menschen wünscht, auch nicht deinem schlimmsten Feind und auch nicht seiner Familie.

Die Kraft wurde immer weniger und nicht nur der Geist hat aufgegeben, sondern auch der Körper. Ich habe unsere Wohnung nur noch in Begleitung und nur zu Ärzten verlassen. Alles andere, Einkaufen, ein Spaziergang oder Freunde besuchen war nicht mehr möglich. Das Leben bestand nur noch aus atmen, Tabletten und schlechten Gedanken. Eine dunkle, traurige Welt ohne Hoffnung.

Und dann, mit der Unterstützung eines super lieben Therapeutinnenteams kam die Wende. Kein medikamentöses Overload mehr, nur noch das Nötigste. Und keinen Zwang mehr. Nicht mehr „du musst das machen“ oder „du musst dass wieder können“. Das neue Motto „Mache im eigenen Tempo“! Und es hat funktioniert. Im eigenen Tempo habe ich mich wieder für das Leben interessiert. Immer an meiner Seite mein geliebter Engel Sabine. Sie, meine Kinder und das Therapeutinnenteam haben mir den Freiraum gegeben, den mein Kopf und meine Seele offensichtlich gebraucht haben. Und dann kamen auch die Freude und das Lachen wieder. Meine Musik, das Malen und das Basteln haben mir gezeigt, dass viele Dinge wieder möglich sind.

Mut ist nicht immer brüllend laut. Manchmal ist es die ruhige, leise Stimme am Ende des Tages, die sagt: Morgen versuche ich es wieder. (Mary Anne Radmacher)

Bald wurden aus guten Minuten Stunden. Und dann wurden aus guten Stunden Tage. Aus guten Tagen wurden Wochen. Ich habe mich wieder wohl gefühlt und mein Kopf hat wieder gelernt die Welt mit offenen Augen und mit offenem Herzen zu sehen. Der Mut wieder neue und alte vergessene Wege zu gehen. Mut wieder unter anderen Menschen zu sein. Mut, das Leben wieder zu leben.

#ichliebedasleben

Und auch wenn noch nicht jeder Tag gut und auch in Zukunft nicht jeder Tag gut sein wird, weiß ich jetzt wieder, dass es sich lohnt für jeden Tag, für die Liebe und für die Familie zu kämpfen.

Alles liebe, eure Pam

Katgeorie:Allgemein, Therapiegeflüster | Kommentare deaktiviert für Wenn das Leben wieder Spaß macht…