April 26

Die Struktur des Lebens…

Welche Struktur muss das Leben haben? Oder muss das Leben
überhaupt eine Struktur haben? Wer legt die Art der etwaigen  Struktur fest? Wer sagt was im Leben richtig
oder falsch ist?
Ein erneuter Besuch der Klinik für eine Krisenintervention
(KI) hat mich wieder ins Grübeln gebracht. O.k. zum Glück kann ich wieder
grübeln. Auch wenn vieles andere noch nicht wirklich wieder funktioniert. Es
wird noch sehr lange dauern, bis ich wieder Freude anstatt Frust bei Gesprächen
mit Menschen, der Welt außerhalb der Wohnung, Chats oder Telefonaten empfinden
kann. Wie lange? Das wird eine kommende Therapie zeigen. Und bis dahin bleibt
nur die KI um die schlimmsten Wolken bei Seite zu schieben.
Nun gut, was ist also die Struktur des Lebens? Was ist, wenn
wir feststellen, dass die eigene Sichtweise die Struktur, die man selbst für
die eigenen hielt, bröckelt? Richtig soll Falsch sein und was sich Falsch
anfühlte soll nun Richtig sein. Schwarz ist weiß und heiß ist kalt… Na, kommt
ihr noch mit? Nein? Gut, dann haben wir jetzt was gemeinsam!
Ich habe in meiner Bundeswehrzeit sehr viel gelernt. Es war
eine Zeit mit viel Struktur für mein Leben. Zum Beispiel:“ Tue Gutes und sprich
darüber.“ oder „Melden macht Frei und belastet Vorgesetzte“. Oft habe ich diese
„Weisheiten“ auch ins „Normale“, zivile Leben übertragen. Und das war oder ist
offensichtlich Falsch. Wenn du in deinem Leben was geleistet hast, dann
solltest du nicht darüber sprechen, sonst könnte man plötzlich von einer
Persönlichkeitsstörung sprechen. Beschwerden bei dem höchstmöglichen
Ansprechpartner anzubringen hat den gleichen Effekt. Nimmt man aber den
nächstmöglichen Ansprechpartner für eine Beschwerde, dann bist du „Normal“. 
Fazit: Spreche nie über deine Leistungen und beschwere dich nur bei
Ottonormalangestellten.
Wenn du als Frau mit „Herr“ angesprochen wirst, dann
solltest du es nicht richtig stellen, sonst hast du schwups die nächste
Diagnose am Hals.
Na, kommt ihr noch mit? Nein? Gut, dann haben wir immer noch
was gemeinsam! Aber vielleicht verschafft mir die ersehnte Therapie Licht in
meine Gedankenwelt.
Bei dem letzten Klinikbesuch habe ich aber auch wieder viele
Menschen kennen lernen dürfen, die mein Leben reicher gemacht haben. Eine junge
Frau, die ohne transident zu sein meine Gefühlswelt in Bezug auf den richtigen
Körper nachvollziehen konnte und ich konnte mich in Sie hinein fühlen. Sie hat
mir gezeigt wie Stolz wir auf den geschafften Weg sein können. Und ich habe
einen faszinierenden Mann im mittleren Alter kennen lernen dürfen. Er hat mir
gezeigt dass es auch heute noch Menschen gibt, die den Moment als Moment leben.
Dass es auch heute noch Menschen gibt, die das Leben als Leben genießen. Das es
auch heute noch Menschen gibt die noch wissen wie schön ein einfaches Gänseblümchen
ist.

Eure Pam