November 30

Herz über Kopf…

… oder das Große „warum“. In dem Lied „Herz über Kopf“ von
Joris gibt es die Textstelle „das Herz sagt bleib der Kopf schreit geh“. Diese
Passage beschreibt sehr gut wie es mir seit inzwischen Monaten geht.
Ich finde einfach nicht mehr zurück ins Leben. Und mein Kopf
fragt jeden verdammten Tag, warum soll ich weiter kämpfen. Ich hadere mit der
Gesellschaft, mit den Menschen und mit meiner Sicht der Dinge. „Der Kopf
schreit geh“… aus dem Leben. Ein Leben das mich nicht will. Raus aus einer
Gesellschaft, für die die Worte Toleranz und Miteinander nur eine emotionale
Bankrotterklärung ist. Ich weiß, wie ich mich am schonendsten aus diesem Leben
entfernen kann.
Aber dann ist da das Herz, es sagt bleib. Bleib bei Sabine
und bei deinen Kindern, denn sie lieben mich trotz all meiner Schwächen.
Sabines Herz gibt mir jeden Tag wieder die Kraft weiter zu kämpfen, obwohl mein
Kopf es nicht versteht.
In den letzten 4 Monaten habe ich es nicht einmal 10 Mal
geschafft die schützende Wohnung zu verlassen. Aus Angst. Aus Angst vor den
Menschen. Aus Angst mit Menschen sprechen zu müssen, mit denen ich nicht
sprechen möchte. Aus Angst Menschen zu begegnen, denen ich nicht begegnen
möchte. Aus Angst vor Abweisung. Aus Angst nicht sagen zu dürfen was ich fühle,
denke oder mir wünsche.
Jeden Tag stelle ich mir die Frage ob mein Leben jemals
wieder normal wird. Aber solange mein Herz noch „bleib“ sagt, gibt es Hoffnung.

Eure Pam
November 27

Im Hütchenspiel des Lebens…

Es ist wie im wahren Leben. Gibt dir der Würfel des Glücks
eine Chance, dann flitzt du durch das Leben und bist wahnsinnig schnell am
Ziel. Es gibt die Hütchen der Freude, des Glücks und der positiven Vorsehung.
Sie unterstützen dich in deinem Spiel. Sie springen über dich hinweg und
stellen sich schützend vor dich. Sie räumen den Weg frei und du kannst dich
unbesorgt Richtung Lebensziel bewegen.
Aber auch im Leben gibt es diese Hütchen, die dich plötzlich
einhüllen. Dir die Sicht auf das Spielfeld nehmen. Dir die Kraft zum denken
nehmen. Hütchen wie das Pech, Unglücke und so weiter. Diese Hindernisse können
dir das Spiel des Lebens schnell zur vielbeschriebenen Hölle des Lebens machen.
Dennoch kannst du was dagegen tun. Es kostet dich nur den Mut und die Kraft den
Würfel erneut aufzunehmen und schon kannst du nochmal würfeln. Du kannst dich
von der Hülle des negativen Hütchens befreien und erneut nach Vorne auf das
Spielfeld des Lebens schauen.
Und wenn du nicht aufpasst, dann verlierst du langsam aber
sicher die Kraft und oder den Mut erneut zu würfeln, wenn dich mal wieder ein
negatives Hütchen gefangen hat. Du denkst, warum sollte ich auch würfeln, die
negativen Hütchen finden mich doch eh wieder. Und dann erdrücken diese Hütchen
dich und du verlierst das Spiel des Lebens.

Eure Pam
November 22

Erkläre es mir doch einfach…

… ist ein Satz, den ich
inzwischen nicht mehr hören kann. Und jeder, der einmal eine Depression oder Angst
erlebt hat, wir mir sicherlich zustimmen. Aber warum ist das so?
Wer schon mal zum Beispiel ein Bein gebrochen hatte, soll
einfach nur mal versuchen zu beschreiben wie sich das anfühlt. Und so ist es
auch mit der Depression oder der Angst. Wie kann man Gefühle oder Gedanken
beschreiben? Wie soll man beschreiben, wie es sich anfühlt, wenn man plötzlich
keinem Menschen mehr traut oder wenn man nicht mehr raus möchte, nur aus Angst
wieder enttäuscht zu werden? Das kann nur ein Mensch verstehen, der es selbst
erlebt hat.
Mit Sabine kann ich über fast alles sprechen und das ist gut
so. Aber manche Gefühle wird Sie nie verstehen können, weil sie es nie selbst
erlebt hat. Aber für diese Gedanken und Gefühle habe ich dann zum Glück meine
Freundin Angelina. Sie kann wiederum viele Gefühle und Gedanken verstehen, weil
sie diese auch selbst gefühlt und erlebt hat.
Und das macht die Frage der Hilfe so schwer. Wenn der behandelnde
Arzt zum Beispiel deine Beschreibung der Gefühle oder der Gedanken nicht
versteht, weil er sie noch nie erlebt hat. Und aus diesem Grund können dir dann
auch Freunde und die eigene Familie nicht helfen, weil sie es nicht verstehen
können. Verstehen wollen ja, aber nicht können. Und das ist wieder ein großes
Problem. Dann denken möglicher Weise die Freunde oder die Familie dass du ihnen
nicht traust, weil du nicht darüber sprechen willst oder kannst.
Aus dem Grund ist der Satz:“ Erkläre es mir doch einfach!“
ein Satz mit Nebenwirkungen.
Ich werde in den nächsten Wochen und Monaten versuchen über
dieses Thema aufzuklären. So wie ich es schon mit der Transidents getan habe.
Und wenn ich nur zwei Menschen mit diesem Thema erreiche, dann ist schon ein
Erfolg da. Ich habe meine Gedanken niedergeschrieben und vielleicht haben es
dann ein, zwei oder vielleicht auch zehn Menschen verstanden was ich mitteilen
möchte.
Also stay tuned…

Alles liebe, Pam
November 21

Werf deinen Ballast einfach über Bord,…

… ist ein Satz den du oft zu hören bekommst wenn dich die
Sorgen erdrücken. Und wenn es nur so einfach wäre. Sorgen einfach über die
Planke schicken und schon kann das Schiff der Seele in ruhiger See Richtung
Horizont schippern.
Natürlich sind Sorgen Ballast, aber das heißt noch nicht dass
sie vergessen sind, wenn sie den Weg über die Reling gefunden haben. Und hier
gehen jetzt sicherlich alle Seeleute auf die Barrikaden. Kein klar denkender  Seemann würde freiwillig den wertvollen
Ballast über Bord werfen. Ballast hält das Schiff stabil und hält es bei starkem
Wind somit auf Kurs.
Also ist es doch besser unsere Sorgen als wertvoll zu
betrachten. Sorgen machen uns achtsamer und die mit den Sorgen verbundene Angst
schärt unsere Sinne für mögliche Gefahren. Das sollten Sorgen nicht über Bord
geworfen werden, wir sollten lernen mit ihnen umzugehen und sie wertvoll zu platzieren.
Damit auch unser Leben wieder stabil wird.
Euch ein schönes WE,

eure Pam
November 15

Ich muss gestehen, ich habe Angst…

… vor dem was da auf uns zukommt. Nicht erst seit den
schrecklichen Anschlägen in Paris. Nein, diese Angst habe ich schon länger. Die
Christen haben ja schon ein großes Problem mit transidenten oder homosexuellen
Menschen. Aber die sind in Ihrer Abneigung noch relativ Human. Also die
Meisten.
Aber ich habe im letzten Jahr gravierende Abneigung durch
Ärzte mit Immigrationshintergrund erfahren. Untersuchungen die einfach beendet
wurden, als bekannt wurde was mit mir los ist. Benötigte Medikamente die
verweigert wurden. Und nein, ich denke nicht Rechts, es ist meine Erfahrung und
das ist es was mir Angst macht. Ich habe 12 Jahre unsere Werte verteidigt und
das ist immer noch in meinem Herzen.
Jetzt kommen sehr viele Menschen zu uns, die leider aus
ihren Ländern flüchten müssen. Das ist traurig genug. Aber es sind auch viele
Menschen die meine Lebensweise nie verstehen werden oder wollen. Ob es diesen
Menschen durch ihre Kultur oder durch eine Religion so abweisend vorgelebt
wird, ist im Endeffekt egal.
Ich habe Angst, dass die Menschen die aus großer Not
flüchten mussten, nicht vernünftig integriert werden können. Was soll ich zum
Beispiel mit einem Arzt anfangen, der unsere Sprache nicht wirklich gut spricht
und mich daher nicht versteht? Was soll ich mit einem Arzt, der durch seine
Kultur oder seine Religion, mich als Mensch nicht respektiert? Integration ist keine Einbahnstraße.
Ich werde mit meiner Angst leben müssen, weil viele dieser
Menschen Schutz brauchen und wir ihnen Schutz geben können. Aber ich lebe auch
mit einer kleinen Hoffnung auf eine 100%´ige Integration dieser Menschen. 

Eure Pam
November 13

Wenn Toleranz nur ein Wort ist…

Nach einem erneuten Tief meiner Seele, kehre ich zu meinen medialen Wurzeln zurück. Da wo alles begonnen hat, soll es nach einer langen Pause weiter gehen.

In den letzten Wochen habe ich mal wieder ein paar Tage zur Medikamenteneinstellung in der Klinik verbracht. Und auch diese Auszeit war wieder einmal von Erfolg gekrönt.

Mir geht es wieder gut und ich hoffe dass das emotionale Auf und Ab der Monate durch die richtige Serotoninmenge in Zukunft nicht mehr so schlimm wird.

Ein weiteres Fazit meines letzten Besuches in der Seelenpflege, ich brauche ein dickeres Fell gegen die ach so toleranten Menschen der Gesellschaft. Ich nehme mir es leider immer noch zu sehr zu Herzen, wenn man als Mensch wie Dreck behandelt wird. Und der O-Ton vom Chefseelenklempner:“ Leider gibt es gegen die Intoleranz anderer Menschen in der Gesellschaft keine Therapie.“ Und er hat recht. Das mein Herz solche Menschen nicht versteht, das kann man nicht wegtherapieren.

In kleinen Schritten versuche ich nach den vielen Enttäuschungen der letzten Monate nun wieder mit der Gesellschaft in Kontakt zu treten. Ich versuche täglich mit Sabine die sichere Wohnung gegen einen kleinen Spaziergang zu tauschen. Und solange mir nicht zu viele Menschen begegnen, geht es sogar. So zu sagen jeden Tag ein kleiner Schritt Richtung erneutes Vertrauen. Ob es dieses Mal auch wieder enttäuscht wird… hmm, das werde ich euch in der Zukunft sagen können.

Also stay tuned… 

Eure Pam

November 13

Erotik ist alles…

Die Wolken werden von der untergehenden Sonne in ein zartes Rot getaucht. Ja, es ist der perfekte Moment. Der Moment auf den ich so lange warten musste. Ich wende meinen Blick ab von diesem beeindruckendem Panorama und nehme den CD-Player ins Visier. Lied Nummer 3 sollte dem Moment entsprechen. Es wird ein besonderes Erlebnis für uns zwei.

Du bist noch unruhig und wirbelst wie ein aufgescheuchtes Huhn durch die Wohnung. Du kannst dich dem noch nicht stellen. Aber ich bereite weiter und voller Vorfreude unser Date vor. „Love Me Like You Do“ von der bezaubernden Ellie Goulding erfüllt den Raum. Wir zwei fühlen den Bass in unseren Körpern. Am liebsten würde ich dir jetzt mit einer Augenbinde die Sicht nehmen, aber das würde unserem Date die Würze nehmen.

 Jetzt kommst du zur Ruhe und lässt dich nieder. Ich habe so lange darauf warten müssen dieses Spielzeug mit Strom an dir aus zu probieren. Ich habe vor diesem Moment natürlich unser Spielzeug geprüft. Sicherheit ist schließlich alles und wir wollen doch nicht, dass der Abend für einen von uns im Krankenhaus endet. Ich komme langsam auf dich zu. Ich drücke zwischendurch immer wieder zart auf den Knopf, der unserer Beziehung in Kürze mit einer süßen Spannung würzen wird. Ich bin fast bei dir. Zwischen uns ist nur noch unser Spielzeug.

Du kannst bestimmt schon meinen Atem spüren. Ich bin so aufgeregt, ob die Berichte dem Spielzeug wirklich gerecht werden. Und dann bist du der Spannung näher denn je. Ich drück mit sanfter Kraft ein letztes Mal den Knopf. Du fliegst los. Es blitzt und ich bin mir sicher dass die neue elektrische Fliegenklatsche funktioniert.

 Euch einen schönen Abend,
 eure Pam