Oktober 24

Hurra… Mensch dritter Klasse

Es ist geschafft. Mit viel Ehrgeiz und dem nötigen Schwung habe ich es doch glatt geschafft die zweite Klasse des Menschseins zu überspringen. Ich hoffe an dieser Stelle wird ein wenig Sarkasmus erlaubt sein. OK, einfach mal ehrlich und unverblümt der Wahrheit ins Gesicht gesehen. Offensichtlich haben es die Menschen, die zu sich selbst stehen in der heutigen Gesellschaft nicht einfach. Ich musste das leider auch in den letzten zwei Jahren feststellen. Was ist das Problem der Menschen? Welches Problem haben sie mit uns? Positiv zu sagen dass ich mich hier in Essen sicherlich besser aufgehoben fühle als in jeder anderen Stadt wirkt in diesem Post wie ein Tropfen auf den heißen Stein. Das ich noch nie ein böses oder abfälliges Wort auf der Straße oder in der Bahn entgegennehmen musste ist der sehr toleranten Essener Bevölkerung geschuldet. Die Menschen hier sind einfach Klasse. Aber dann keimt zugleich der Zweifel in mir auf. Wenn diese Menschen alle so lieb und verständnisvoll sind, wo kommen den die Arbeitgeber hier in Essen her? Die müssen demnach ja aus anderen Städten oder von einer anderen Mentalität sein. Wie sollte es sonst zu erklären sein, dass ein Mensch mit 4 Berufsausbildungen selbst für die simpelsten Jobs nicht qualifiziert genug ist. Selbst so „anspruchsvolle“ Jobs wie Callcenter-Agent bleiben einem Menschen wie mir verwehrt. Werden Menschen wie „uns“ das Recht auf ein selbstfinanziertes Leben somit verwehrt? Ja! Es läuft bei einer Bewerbung immer gleich ab. Ich schreibe eine Bewerbung. Wenn ich sie abgeschickt habe kann ich in meiner Blogstatistik sehen dass nach meinem Namen gegooglet wurde. Nachdem die Arbeitgeber dann wissen wer ich bin kommen die haarsträubendsten Absagen, bei denen es echt schon Wert wäre ein neues Buch zu schreiben. Die Kritiker meines Blogs sagen natürlich „Wieso stellst du dein Leben ins Internet… selber schuld“. Aber wer über mich im Internet liest und damit nicht umgehen kann, der kann auch in einem Bewerbungsgespräch wo er mich live sieht nicht damit umgehen, oder? Wir dürfen als Mitglieder der „Harzt IV“-Gemeinschaft unseren Tagesbedarf durch Anträge mit tausend Formularen bestreiten. Für mich ist es inzwischen Mental schwerer eine „Harzt IV“-lerin zu sein als ein Mensch im falschen Körper zu leben. Am 11.05.2012 habe ich mir frecher Weise erlaubt einen Antrag beim Jobcenter zu stellen. Dieser Antrag sollte mir helfen meine Kinder öfter als nur alle 5 Monate durch einen Besuch zu sehen. Vom Gesetz steht mir eine Beihilfe dafür zu. Bis heute (24.10.2012) ist nichts passiert. Unterlagen die angeblich vom Amt geschickt wurden, die aber auf nachfrage nicht einmal im PC-System des Amtes auftauchen. Briefe die für die Strecke von 2 Km vom Amt zu uns nach Hause nur 4 Wochen brauchen. Ich will jetzt nicht aufspringen und „Diskriminierung“ in die Welt schreien, aber kann es sein das da was faul ist? Die Entscheidung des Amtes mir auch keine berufliche Förderung während der erfolglosen Arbeitssuche zukommen zu lassen spricht nicht unbedingt dafür. Auch dass ich laut Amt für einen sogenannten 1-Euro-Job überqualifiziert bin macht die Sache nicht angenehmer. Ich persönlich habe mich schon damit abgefunden keine Unterstützung mehr vom Amt erwarten zu dürfen. Leider sehen die Wände in unserer Wohnung es ein wenig anders. Sie kommen jeden verdammten Tag dichter. Vor allen diese blöde Decke die mir so langsam auf den Kopf fällt. Ich habe mir vor ein paar Monaten gesagt dass vielleicht die Öffentlichkeitsarbeit für die Aufklärung über transsexuelle Menschen in Deutschland etwas Abwechslung in meinen Alltag bringt. Aber Pustekuchen… das war auch ein Satz mit „x“ . Trotz alle dem bin ich glücklich meinen Weg zu gehen und all der Gegenwind wird irgendwann abflauen. Heute war es einfach mal die Zeit für einen solchen Post. Es musste alles Mal aus meinem Kopf. Alles liebe, Pam


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Veröffentlicht24. Oktober 2012 von pamelahalling in Kategorie "Allgemein

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