Oktober 4

Was sich in Deutschland ändern sollte…

  Heute hatte ich wieder einmal das Vergnügen mit meinem Therapeuten über die Gesellschaft und die Akzeptanz von transidenten Menschen diskutieren zu dürfen. Er macht seinen Job ja jetzt schon sehr lange und stimmt mit mir überein, dass sich leider in Deutschland noch sehr viel ändern muss. Es ist aber nicht nur die Gesellschaft, bei der es schön wäre, wenn es ein Umdenken geben würde sondern auch die Politik, die Krankenkassen und der MDK ( Medizinischer Dienst der Krankenkassen ). Natürlich müssen auch die dazu lernen, die diese Toleranz oder das Verständnis suchen. Ja, die Transidenten sollten vielleicht auch ab und zu dazu lernen. Die Gesellschaft: Die Gesellschaft in Deutschland ist schon auf einem sehr guten Weg. Sie haben es in nur fast 30 Jahren schon geschafft die Schwulen und Lesben in die Gesellschaft auf und an zu nehmen. Hier ist zu hoffen, dass wir jetzt nicht auch 30 Jahre für eine annehmbare Toleranz in der Gesellschaft kämpfen müssen. Ja, wir würden auch sehr gerne dazu gehören und nicht nur beim Vorbeigehen zur allgemeinen Belustigung beitragen. Wer einmal erfahren hat, wie schwer unser Weg eigentlich ist, wird einen transidenten Menschen mit anderen Augen sehen. Deshalb wird es immer wichtiger die Gesellschaft mit den richtigen Informationen über den Weg dieser Menschen zu versorgen. Nur der gut informierte Mensch kann Toleranz und Verständnis aufbringen. Die Politik: 1980 hat die Politik es geschafft ein Gesetz für Transsexuelle Menschen zu schaffen. Es ist das TSG (Gesetz über die Änderung der Vornamen und die Feststellung der Geschlechtszugehörigkeit in besonderen Fällen (Transsexuellengesetz)). Gut, 1980 waren wir noch „besondere Fälle“. Aber wie ist es heute? Heute sind von diesem Gesetz nur noch ein paar Paragraphen in Kraft. Die meisten wurden schon ganz oder teilweise vom Bundesverfassungsgericht außer Kraft gesetzt. 2009 wurde im Bundestag eine Reform dieses maroden Gesetzes beschlossen. Aber seitdem hat sich leider noch nicht sehr viel getan. Hier besteht sehr großer Handlungsbedarf. Die Krankenkassen und der MDK: Die Krankenkassen dürfen diese Form der Körperverletzung nicht mehr vorsetzen. Wenn die Freigabe der Kostenübernahme einer Gesichtshaarentfernung bei einer transidenten Frau (Anpassung vom männlichen Körper zum weiblichen – MzF) mindesten 6 Monate künstlich und unsinnigerweise heraus gezögert wird, obwohl dieser Mensch dann schon in dem gefühlten Geschlecht lebt ist das eine Körperverletzung. Das Leiden wird dadurch massiv gesteigert und das sollte nicht das erklärte Ziel einer Krankenkasse oder des MDK sein. Sie sollten eigentlich zur Maßgabe haben dem oder der Patient/in bei einer schnellen Genesung zu helfen und diese nicht unnötig heraus zu zögern. Die Schweden sind hier einen sehr großen Schritt weiter. Sie haben ein so zu sagen „Startpaket“ für transidente Menschen (MzF) geschnürt. Hier werden Gesichtshaarentfernung, Schildknorpelreduzierung (Minderung des hässlichen Adamsapfels), Perücken und Prothesen gleich zu Beginn des „Alltagstestes“ genehmigt und bezahlt. Aber warum ist das so wichtig? Ganz einfach und da sind wir wieder beim Thema Gesellschaft. Diese sieht offensichtlich eine Frau mit einem Bartschatten und einem Adamsapfel eher als Objekt zur öffentlichen Belustigung an aber sicherlich nicht als Frau. Dieses ist nur ein Beispiel von vielen Dingen, die die Krankenkassen und der MDK noch lernen müssen. Die Transidenten: Ja, auch wir müssen dazu lernen. Wir können keine Toleranz verlangen wenn wir nicht selbst bereit sind diese auch zu zeigen. Hier kann ich nur meine persönlichen Erfahrungen einbringen. Ich kann keinem Menschen z.B. in der Bahn einen Vorwurf machen, wenn er einen männlichen Körper bei mir erkennt. Mein Körper ist halt noch in der Anpassungsphase und daher kann es passieren, dass die Menschen mich als das erkennen was mir bei der Geburt aufgezwungen wurde. Also wenn sie mich dann mal als Mann ansprechen so nehme ich es hin, denn sie haben mein altes „Ich“ erkannt. Aber was ich nie machen darf ist, diesen Menschen zu Recht zu weisen, denn er kennt mich ja gar nicht und so kann ich ihm es auch nicht vor werfen. Wir gesagt, auch wir müssen Toleranz üben. Wenn mich ein Freund der mich 30 Jahre kennt versehentlich noch mal mit „Er“ oder mit meinem alten Namen anspricht kann ich ihm auch nicht böse sein, denn auch er oder sie brauchen eine Zeit der Gewöhnung. Ja, wir haben alle noch viel zu lernen, aber ich bin mir sicher, wenn wir es alle versuchen, dann kommt auch schnell ein lebenswertes Miteinander in der Gesellschaft dabei heraus. Ich habe hier nur ein paar kleine Beispiele für Unstimmigkeiten aufgezeigt und vielleicht können wir einfach mit diesen kleinen Beispielen anfangen. Ich selbst habe es an vielen kleinen und großen Beispielen, die auch in diesem Blog zu lesen gibt erlebt, dass ein positives Miteinander viel schöner ist. Ich jedenfalls freue mich auf ein baldiges Miteinander.


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Veröffentlicht4. Oktober 2012 von pamelahalling in Kategorie "Allgemein

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