Juni 30

Freud und Leid des Lebens…

Wie nah Freud und Leid des Lebens zusammen liegen habe ich erst richtig nach meinem Outing erfahren dürfen. Ich habe erfahren dass nach dem Outing ein wahnsinniges Glücksgefühl in einem aufsteigt, weil ich endlich so Leben darf wie ich es mir schon so lange ersehnt hatte. Ich habe erfahren wie wichtig meine Frau Sabine für mich und unser Leben ist und wie viel Glück wir hatten das wir uns damals begegnet sind. Ich habe hunderte von Glücksmomenten nach meinem Outing erleben dürfen, die vorher nie in der Art denkbar gewesen wären. Aber ich habe auch erfahren dürfen, dass die größte Angst, die mich von einem früheren Outing immer wieder abgehalten hat dann doch Realität wurde. Die Angst vor Ausgrenzung, Anfeindung und das soziale Abstellgleis. Viele in der gleichen Lage reden immer alles schön. Aber leider ist dieses „Schönreden“ nicht immer das was die Linderung bei den traurigen Gedanken bringt. Ja, ich bin sehr oft traurig darüber, dass meine Kinder in der Gegend in der sie leben nicht einfach sagen können „Ja, das ist mein Papa… ja, das ist meine gute Freundin…“. Viele, wenn nicht alle würden nicht einmal ansatzweise verstehen, dass es o.k. ist wenn meine Kinder mich Papa nennen. Wir alle können die Geschichte nicht ändern und daher werde ich immer für meine Kinder der Papa bleiben, denn sie haben eine Mutter und das ist gut so. Viele, wenn nicht alle werden nie verstehen, dass ich für meine Tochter eine Freundin bin. Ich werde es auch nicht erklären, denn wieso sollte ich es immer wieder erklären, wenn so und so keiner zuhört. Ja, ich bin oft traurig darüber, dass ich wirklich auf dem sozialen Abstellgleis angekommen bin. Wenn selbst das Jobcenter es nicht mehr schafft eine Frau mit 4 Berufen zu vermitteln, weil sie auf die gesellschaftlichen Anforderungen keine Lösung in meinem Fall haben. Ja, ich bin sehr oft traurig darüber, wenn man sich in der heutigen Gesellschaft für sein Leben und für die Entscheidungen im Leben rechtfertigen muss. Ja, ich finde es zum kotzen, dass man nur für viele ehemalige Freunde interessant war, solange man funktioniert hat. Mit diesen Menschen werde ich zum Glück nie wieder was zu tun haben. Nein, ich bin nicht mehr traurig darüber, dass einen die eigene Familie als Aussätzige sieht. Aber auch nur, weil ich eine neues Familie gefunden habe, die mich aufgefangen hat und mich so nimmt wie ich bin. Ohne meine Biene hätte ich es nie bis hier her geschafft und dafür bin ich ihr so unendlich dankbar, dass sie mit mir einen schweren und entbehrungsreichen Weg geht. Ja, ich bin traurig darüber, dass eine sehr alte, anerzogene Angst mein Leben heute immer noch leitet. Mir wurde immer erzählt, dass Menschen wie ich eigentlich keine normalen Menschen sind. Mir wurde beigebracht, dass wir nicht in die Gesellschaft gehören. Diese Angst leitet heute noch sehr oft mein/unser Leben. Ich habe sehr oft Angst davor, dass Menschen denen ich im Alltag begegnen den lästigen männlichen Körper oder männliche Merkmale entdecken und mich dann für den FREAK halten, die in meiner Jugend von allen für Geisteskrank erklärt wurden. Ich habe Angst davor, dass Menschen sagen „Schau, ein Mann in Frauenklamotten…“. Irgendwann wird diese alte, schon fast 30 jährige Angst von mir weichen, aber bis dahin werde ich jeden Tag gegen diese fürchterlich falsche Konditionierung aus der Jugend ankämpfen. Ich frage mich jeden Tag wieso sich diese Angst nicht abbaut, aber mein Kopf biete mir keine Lösung. Mein Therapeut sagt, dass es bei den meisten so ist und es sehr lange dauert, bis der Kopf gelernt hat, dass die Menschen keinen Mann mehr in mir sehen. Einen großen Schritt haben mir hier wieder meine Frau Sabine und die Dreharbeiten den letzten Tag gebracht. Ich wurde von allen so gesehen wie ich bin, als Frau. So werden mich all diese Erlebnisse weiter dabei unterstützen den Kampf gegen die Angst zu gewinnen. „Jeder ist seines eigenen Glückes Schmied“ also werde ich weiter dagegen kämpfen immer wieder traurig sein zu müssen und ich werde mich weiter meinen Ängsten stellen. Und dank meiner Frau und lieben Freunden und meiner heutigen Familie werde ich es schafften.

Juni 26

Letzter Drehtag zu einem wundervollen Projekt…

  Noch einmal morgens nervös aufgestanden. Zum Glück nicht mehr so extrem nervös wie am ersten Drehtag, aber es war schon noch in der Magengrube zu spüren. Dann in Ruhe fertig machen, schminken, stylen und den Spiegel befragen ob alles so sitz wie es gedacht war. Oki, der Spiegel und Sabine geben eine positive Rückmeldung. Noch ein wenig gefrühstückt und dann raus. Bei der Sprachtherapie angekommen haben Biene und ich erst einmal einen netten Plausch mit meiner Sprachtherapeutin gehalten da wir doch um ein paar Minuten zu früh da waren. Dann traf das Drehteam ein. Eine Begrüßung als wenn wir uns schon sehr lange Kennen würden und gefühlt war es sicherlich auch so. Bloß für meine Sprachtherapeutin, mit der ich ja im Januar schon einmal für RTL-West zum selben Thema vor der Kamera gestanden habe, war es noch ein wenig ungewohnt. Sabine und ich hatten ja schon zwei Tage Zeit uns mit dem Team und der Situation vor der Kamera vertraut zu machen. Und natürlich hatte auch das Team Zeit sich an mich und meine Zickereien zu gewöhnen. Oh ja, ob die das jemals verarbeiten werden??? Eine 40 jährige pubertierende Zicke… Aber heute lief alles wieder ganz glatt. Wie begannen wie jede Stunde der Sprachtherapie und die Kamera hat im Hintergrund aufgenommen. Wir machten ein paar Atemübungen und meine Therapeutin erklärte viel zum Thema Stimme und Stimmbildung. Es war heute genauso lustig und informativ wie bei jeder der letzten Therapiestunden. Was soll ich sagen, Sie ist einfach die Beste für den Job und wer mich kennt und mich gehört hat, wird es nur bestätigen können. Ich glaube wir haben so zwei Stunden gedreht und dabei auch viel Spaß gehabt. Ich konnte während meine Sprachtherapeutin alles erklärte das Erstaunen des Drehteams wahrnehmen und wie sie mir später sagten waren sie beeindruckt von dem was bei einer Stimme und der Stimmbildung alles wichtig ist. Wir alle waren uns einig, dass meine Therapeutin eine sehr gute Arbeit abgeliefert hat. Als der Dreh vorbei war, haben wir alle noch ein kleines Mittagshäppchen eingeworfen und die letzten Tage Revue passieren lassen. Dabei ist mir wieder einmal aufgefallen, dass Sabine und ich riesen Glück mit den Therapeuten, Ärzten und unseren Besten Freudinnen haben. Ja, darauf können wir wohl stolz sein, immer mit so netten und lieben Menschen zu tun haben zu dürfen. Als letztes in diesem Blog möchte ich dem Drehteam noch einmal danken. Sabine und ich haben uns bei euch super wohl gefühlt und an dem Erfolg eures Projektes haben wir keinen Zweifel. Bitte macht weiter so und bleibt so wie ihr seid. Danke dass Sabine und ich ein Teil eures Projektes werden durften. Achso… ich muss da noch mal was richtig stellen. In den letzten Blogs zum Thema habe ich immer von unserem Betreuer geschrieben. Das ist nicht wirklich zutreffend. Er hat sich wirklich sehr gut um uns gekümmert und war als Ansprechpartner für all unsere Fragen zu jeder Zeit da. Aber er ist eigentlich Leiter der Entwicklung und daher wollte ich dieses hier noch einmal richtig stellen. Es ist sehr schwer, wenn man keine Namen, das eigentliche Projekt und so weiter nennen darf. Das wird sich ändern, wenn die Sendung gelaufen ist. Dann werdet ihr erfahren wer diese super lieben Menschen sind. Und bis dahin müsst ihr genauso wie Sabine und ich noch auf diesen tollen Moment waren… Geteiltes Leid ist eben halbes Leid… Also abwarten und immer schön lieb bleiben…

Juni 23

Abschied…

Leider hat sich heute eine von unseren neuen Mitbewohnerinnen verabschiedet. Whitney, unsere chinesische Bergagame ist leider gestorben. Nun ist Shania alleine im Terrarium und Biene und ich versuchen nicht all zu traurig zu sein. Sie ist leider Krank geworden und hat es leider nicht mehr geschafft gesund zu werden.

Juni 22

Zweiter Drehtag zu einem wundervollen Projekt…

  Was für ein schöner Tag, erst ein wunderschöner Drehtag und dann holten die 11 Freunde nach einem Schützenfest den Sieg im Viertelfinale. Eigentlich begann der Tag für mich nicht wirklich entspannt. Nach einer fast schlaflosen Nacht, da habe ich natürlich dem Titel meines Blogs wieder alle Ehre gemacht, bin ich echt groggy in den Tag gestartet. Den Kaffee zum Frühstück habe ich mir in Hinsicht auf eine lange Autobahnfahrt und meiner eh schon hohen Nervosität verkniffen. Nachdem ich mich dann ein wenig aufgebrezelt hatte, stand auch schon mein super lieber Betreuer der Filmfirma vor der Tür. Es folgte eine dicke Abschiedsumarmung mit Biene, 10000 Küsschen auf Vorrat für den Tag und viele gute Wünsche für die anstehenden Dreharbeiten. Biene die leider in Essen zurück bleiben musste winkte bei unserer Abfahrt mit sehnsüchtigem Blick ein süßes „Auf Wiedersehen“. Ja, ich freute mich schon auf das Wiedersehen am Abend, denn wir vermissen uns schon, wenn einer von uns nur zum Briefkasten geht. Auf der Fahrt Richtung Norden wuchs meine Nervosität ins unermessliche. Mein Bauch grummelte in Erwartung mein Heimatort nach meinem Outing zum ersten mal wieder zu betreten. Aber auch die Vorfreude auf meine beste Freundin aus der alten Heimat und die Möglichkeit meine Kinder zu sehen war stark in mir. Die Nervosität und die Vorfreude hielten scheinbar einen regelrechten Kampf in meiner Magengrube und zum Glück behielt die Vorfreude dann die Oberhand. An der Raststätte „Dammer Berge“ haben sich mein Betreuer und ich uns dann mit dem restlichen Drehteam getroffen. Auch heute war die Begrüßung wieder herzlich und schon wesentlich entspannter als gestern. Wie sollte es auch anders sein, man kannte sich ja auch schon. Es wurde noch kurz der gestrige Tag nach besprochen und es gab eine kurze Einweisung in den heutigen Drehtag. Oh nein… mein damaliger Heimatort zuerst… hoffentlich schaffst du das, dachte ich bei mir. Aber ich wollte auch eine starke Frau sein und sehen wie weit meine persönlichen Grenzen heut zu Tage gesteckt sind. Ich hoffte nur, das keinem im Drehteam meiner Angst und Nervosität auffällt. Zum Glück begannen wir dann mit den Arbeiten. Zuerst in die „Maske“. Heute mal in einem T5-Bulli, was aber das Ergebnis nicht trüben sollte, denn wie auch schon gestern geschehen hat die liebe Mitarbeiterin das Beste aus meinem Gesicht heraus geholt. Nach dem verdrahten des Mikrophones an meiner Kleidung durfte ich neben der super lieben Reporterin auf dem Beifahrersitz platz nehmen. Ein Blick nach hinten brachte die Erkenntnis, wir sind nicht alleine im Auto. Es war noch die Kamera, geführt durch einen lieben Kameramann der selbst nach dem sehr anstrengenden gestrigen Drehtag noch ein Lächeln auf den Lippen hatte. Neben ihm die Regisseurin, die jetzt auch mit einem Lächeln die Aufgabe des Tonmeisters übernehmen musste. Somit waren wir komplett und die Fahrt begann. Viele Fragen zu meinem Leben vor dem Outing während der Fahrt wurden nur durch einen lästigen Stau unterbrochen. Im Stop-and-Go ging es dann so weiter bis zu meinem ehemaligen Heimatort. Nun waren wir da, bei dem Ort, der mir in den letzten Jahren die meisten Bauchschmerzen bereitet hat. Es war schwer meine Hände so ruhig zu halten, dass keinem mein Zittern auffällt. Aber ich musste für mich wissen ob ich diesen Ort wieder betreten konnte. Wir einigten uns darauf, erst einmal im Auto zu verbleiben um dann so zu sagen eine Sightseeing-Tour für das Drehteam zu machen. Und so fuhren wir langsam in den Ort und meine Anspannung stieg. Zweite Straße links und wir waren in der Straße wo ich noch vor meinem Outing gewohnt hatte. Vorbei an meinem Elternhaus und weiter durch den Ort. Der Kameramann holte mich mit der Bitte: „Wenn du die wichtigen Gebäude siehst, sag es mir rechtzeitig, damit ich die Kamera dann darauf einrichten kann.“ aus meinen Gedanken. Ich musste schmunzeln und sagte ihm, dass es lediglich eine Kirche, einen Laden und einen Postkasten in diesem Ort geben würde und er daher sicherlich genug Zeit haben würde. Ich weiß nicht ob unsere Autokarawane aus 3 Wagen Aufsehen erregt hat, aber wir haben ohne Weiteres den ganzen Ort passiert und ich wurde innerlich ruhiger. Die bitte nach einer zweiten Fahrt durch den Ort habe ich dann aber dankend und mit dem Wissen, dass ich das nicht mehr geschafft hätte abgelehnt. Es waren einfach zu viele Erinnerungen die in mir aufstiegen. Das Team nahm meine Entscheidung so auf und wir entschieden uns zu einem Landgasthaus in der Nähe zu fahren, in dem ich zuerst meine langjährige Freundin zum ersten Mal nach meinem Outing wieder sehen sollte um dann ein unbeobachtetes Treffen mit meinen Kindern zu haben. Das Treffen mit meinen Kindern war so zu sagen ein Goddie von dem Drehteam für mich, da wir ja gerade eh in der Nähe waren. DANKE DAFÜR liebes Drehteam. Nach einer kurzen fahrt sind wir dann am besagten Gasthof angekommen und es war Zeit für eine Zigarette und einen Anruf bei meiner lieben Sabine, die ich so sehr vermisst habe. Meine Freundin kam an und ich musste ein wenig verstecken bis sie verkabelt war. Es sollte halt der erste Moment des Wiedersehens festgehalten werden. Und nach gefühlten Stunden durften wir uns dann sehen. Die Begrüßung war herzlich wie immer und wir tauschten uns bei einem Kaffee aus. Es war ein sehr schönes Gespräch und… Danke an meine liebe Freundin. Interessant war auch noch die Begegnung mit der Wirtin des Gasthauses. Ich hatte gar nicht mehr daran gedacht, dass ich mit meiner Firma damals das eine oder andere Mal ihren PC wieder auf Vorderman gebracht hatte. Diese Erinnerung kam in dem Moment zurück als sie uns vor der Kamera nach den Getränkewünschen befragt hatte. Ja, es war ein leicht irritierter Blick wahr zu nehmen, aber in einem Gespräch was wir nachher geführt hatten, drückte sie ihre Begeisterung für dieses Projekt und meinem neuen Leben aus. Das war Balsam für die Seele. Dann war es endlich so weit. Der Moment auf den ich den ganzen Tag schon gewartet hatte. Mein Herz begann in meinem Körper ein Tanz der Freude auf zu führen. Alle Kameras, der Ton und die Regieanweisungen stoppten und ich konnte meine Kinder in die Arme schließen. Ein Gefühl welches nur Eltern nachvollziehen können die ihre Kinder länger nicht gesehen haben. Ich war über glücklich und alle Anspannung vom Dreh, der Stress und die Erschöpfung waren vergessen. Es war nur noch die pure Liebe für die Kinder da. Wir spielten völlig unbehelligt und frei. Ich habe die Zeit wirklich genossen. Leider ging es nach einer Stunde dann schon wieder auf den Heimweg und mit dem Versprechen an meine Kinder sie sehr bald wie zu besuchen wurde der Abschied auch nicht mehr tränenreich. Auf dem Rückweg waren die Gedanken bei meinen Kindern, bei meiner Freundin aus der alten Heimat und bei dem Erlebten durch den Drehtag. Als Fazit… kurz und knapp… ich bin überglücklich. Zu Hause angekommen fielen Biene und ich uns in die Arme und Sabine verwöhnte mich mit einem weltbesten Sandwich. Zufrieden berichtete ich ihr vom Drehtag und wir waren uns sicher, dieses Projekt, welchem wir beiwohnen dürfen wird eines der besten Projekte die je über das Thema gemacht wurden. Danke liebes Drehteam für diesen wunderbaren Drehtag…

Juni 21

Erster Drehtag zu einem wundervollen Projekt…

Heute hatten Sabine und ich mit einem wundervollen und super lieben Team einer Filmfirma unseren ersten Drehtag zu einem wegweisenden Projekt. Ich habe lange schon keinen so anstrengenden aber auch wunderschönen Tag verlebt. Bei den Dreharbeiten wurden Sabine und ich immer wieder durch den Charme des Teams durch den Tag geführt. Wir haben in der ganzen Wohnung gedreht, obwohl ich mir zu Beginn des Tages nicht einmal vorstellen konnte, dass all diese Menschen in unsere Wohnung passen. Es war ein echter Marathon von unserer Wohnung über einen Besuch beim Optiker, einmal durch die Stadt und dann endete es heute in einem großen Zieleinlauf bei unserer Friseurin Christina. Nachdem ich dann vor der Kamera noch einmal zum Abend aufgehübscht wurde… O.k. ich sehe ja eigentlich immer gut aus, egal was ich trage… war der Drehtag dann auch vorbei und wie verabschiedeten uns überglücklich von einem super lieben Team um uns wohlverdient auf das Sofa sinken zu lassen. Hier haben Sabine und ich dann noch einmal den Tag Revue passieren lassen. Ich freue mich jetzt schon auf den nächsten Drehtag, wo ich eine alte Freundin nach sehr langer Zeit endlich einmal wieder sehe… Also auf in die nächste Runde.

Juni 12

Von den Toten auferstanden…

  Manchmal blicke ich echt nicht mehr durch. Ich habe meine Familie vor herablassenden Blicken, vor gesellschaftlicher Anfeindung und Missachtung durch jahrelanges Schweigen geschützt. Ich bin aus der hoch katholischen und verbohrten Gegend vor meinem Outing weg gezogen um ihnen zu ersparen, dass sie wegen einer Transidenten nicht geächtet werden. Zum Dank dafür wurde ich dann von meinen Eltern gleich mal gegenüber dritten für Tot erklärt. „Nun gut“ habe ich mir gedacht, wenn das deren Art der Bewältigung ist, dann soll es wohl so sein und ich werde nicht mehr von diesen Menschen mit Anfeindungen beglückt. Tote sollen halt ihren Frieden finden. Jetzt ist ein sehr lieber Mensch auf mich zugekommen, um mich in ein tolles Projekt für Toleranz und Verständnis gegen über den transidenten Menschen in der Gesellschaft zu holen. Voller Tatendrang und mit dem Ziel etwas Gutes tun zu können habe ich mich in die Unterstützung dieses Projektes gestürzt. Auch die Anfrage nach Unterstützung für dieses Projekt durch meine große Tochter habe ich voller Freude an meine Tochter und meine Ex-Frau weiter gegeben. Beide haben sehr positiv reagiert und meine Tochter hat sich auch riesig auf dieses Projekt gefreut. Alles schien sehr gut zu laufen und es war auch kein Risiko für die immer noch verschwiegene Identität meiner Tochter. Das alles gut läuft war einfach nur ein großer Irrtum von mir. Denn scheinbar haben meine Eltern mich wieder ausgebuddelt um sich voller Elan in das Leben einer Toten einzumischen. Dass sie damit ein wundervolles Projekt gefährden und was noch viel schlimmer ist, ihrer Enkeltochter die große Möglichkeit nehmen mit der Thematik für sich auf einem neuen Weg umgehen zu können. Sie hatte sich so sehr auf dieses Projekt gefreut und war mit ganzem Herzen dabei. Warum nehmen Menschen, die sich in keinster Weise für mein „Krankheitsbild“ und mein Leben interessieren und offensichtlich nicht den Horizont besitzen um die Notwendigkeit solcher Projekte für unsere Gesellschaft zu sehen, sich das Recht heraus. Das Recht wichtige Projekte, wichtige Fortschritte ihres Enkelkindes und mein Leben durch fragwürdige Drohungen zu gefährden. Es ist sehr schwer ein solches Verhalten zu verstehen und es ist noch schwerer sich selbst zurück zu nehmen und sich nicht auf dieses Niveau herab zu lassen. Ich habe mir sehr oft die Frage gestellt woher so viel Unverständnis, Inkompetenz als Erwachsene und Unvermögen im Thema Menschlichkeit kommt. Liegt es nur an der Einfältigkeit der ländlichen Umgebung? Liegt es an der Nähe zum Katholizismus? Oder ist es nur der geistige Horizont der fehlt? Ich glaube dass ich diese Fragen wohl nie beantwortet bekomme. Das einzige was noch Sinn machen wird ist auf die kuriosen Gedankengänge dieser Menschen entsprechend zu reagieren. Um meine Tochter nicht weiteren Diskussionen mit solchen Menschen auszusetzten habe ich sie aus diesem Projekt heraus genommen in der Hoffnung das nun Frieden gegenüber meiner Tochter und meiner Ex-Frau herrschen wird. Das schlimme daran ist, dass sich diese Menschen immer wieder meine Kinder und meine Ex-Frau aussuchen obwohl offensichtlich immer noch die Tote das Ziel dieser Anfeindungen ist. Vielleicht lernen diese Menschen irgendwann, dass unschuldige aus meiner Familie nichts für meinen Lebensweg können und somit nicht das Ziel für solche schon fast krankhaften Anfeindungen sein dürfen. Sehen wir mal was die Zukunft bringt. Vielleicht lernen diese Menschen ja aus der Zukunft…