Dezember 2

Frohes neues Jahr 2012

Wir wünschen euch allen ein frohes und erfolgreiches neues Jahr. Ich hoffe auch ihr habt einen schönen Jahreswechsel erfahren.

Unser Jahreswechsel begann irgendwie chaotisch.

Sabine ist morgens gleich mal zum Zeitungshändler geflogen um den so lange erwarteten Artikel über unser Leben in der WAZ lesen zu können. Und ich muss sagen, der ist richtig gut geschrieben, wobei ich aber sagen muss, dass ich nie Oberleutnant, sondern Oberfeldwebel bei der Bundeswehr war. Wer will auch schon freiwillig zu den Offizieren gehörenJ.

Ich war noch angeschlagen von einer Erkältung die mich seit dem zweiten Weihnachtstag fest im Griff hatte, als Sabine, meine älteste Tochter und ich uns, in einem Wagen von einer guten Freundin, auf den Weg zu einer Silvesterfeier bei meiner Stieftochter machten. Irgendwie hatte der Wagen für Silvester scheinbar was Besseres vor und so machte er nach einem Viertel der Stecke plötzlich so komische Geräusche, das wir uns entschieden haben, wieder um zu kehren und lieber die Bahn zu nutzen. Gesagt, getan und somit wieder zurück nach Essen, eine Bahnverbindung raus gesucht, das Gepäck umgeladen und dann schnell zum Zug. Nach zweieinhalb Stunden waren wir dann auch schon leicht Genervt von so viel Hektik in Ibbenbüren angekommen.

Nach der Begrüßung und einer kurzen Ruhephase konnte dann die Silvesterparty mit Freunden und Verwandten beginnen. Viel Spaß hat dabei das Spiel SingStar in die Gesellschaft gebracht. Nach entsprechendem Alkohol wurden alles Zungen locker und sogar Biene und ich haben das ein oder andere Liedchen geträllert. Auch für die Kinder war es ein riesen Erlebnis. Aber am schönsten für mich, dass ich meine Tochter nach 3 Jahren zum ersten Mal wieder zum Jahreswechsel in die Arme nehmen konnte um ihr ein frohes neues und glückliches Jahr zu wünschen. Da unsere Gastgeber auch noch Nachbarn eingeladen hatten, haben wir auch noch zwei sehr nette Menschen kennen lernen dürfen.

Also trotz Startschwierigkeiten war es ein wundervoller und lustiger Jahreswechsel.

Auf das das neue Jahr so gut wird, wie das alte zu Ende ging.
Dezember 2

Vergangenheit lehrt die Zukunft…

Viele der transsexuellen Menschen sagen oft, dass es vielleicht ein viel schöneres Leben gewesen wäre, wenn sie sich früher getraut hätten aus der gegebenen Welt aus zu brechen um so zu leben wie es das Gefühl verlangt. Ich habe mir auch sehr oft in der Vergangenheit diese Frage gestellt, ob auch mein Leben „schöner“ gewesen wäre, wenn ich es schon mit 18 Jahren geschafft hätte zu meinen Gefühlen zu stehen. Ich verstehe an diesen Zweifeln nicht warum es hätte schöner werden können.

Ich habe bislang ein schönes Leben gehabt und habe jetzt auch ein schönes Leben, allerdings haben beide Leben ihre Vor- und Nachteile gehabt. Ich habe ein gutes Elternhaus gehabt, ich habe eine gute Ehe gehabt und habe jetzt wieder eine sehr gute Ehe. Ich habe zwei wundervolle Kinder. Ich habe beruflich all das erreicht was ich mir vorgenommen hatte. Also was könnte schöner in der Vergangenheit gewesen sein. Die Vergangenheit gehört zu uns genauso wie die Zukunft. Wir können das Rad der Zeit nicht zurück drehen um irgendwas anders zu machen nur weil wir jetzt vielleicht wissen, wie es hätte anders laufen können.

Was wir aber können ist, aus der Vergangenheit zu lernen und zu wachsen. Ich habe in der Vergangenheit auch sehr viele Fehler gemacht, unter anderem habe ich auch gedacht meine Eltern verachten zu müssen, weil sie seit vielen Monden nicht mit mir gesprochen haben. Ich musste lernen, dass ich Akzeptanz nicht erzwingen kann. Jeder Mensch braucht einfach seine Zeit um sich auf Veränderungen im persönlichen Umfeld einzustellen und diese mit allen Konsequenzen zu begreifen.

Heute tut es mir Leid und weh, dass ich meine Eltern verstoßen wollte, nur weil ich mir es nicht erklären konnte, dass sie noch Zeit brauchen.

Vielleicht werden noch viele Monde vergehen, bis sie die Kraft haben mit mir zu sprechen oder mich sehen zu können. Ich hoffe allerdings, dass es vielleicht noch etwas vor meiner GaOP wird, denn ich weiß nicht wie diese stundenlange OP für mich ausgehen wird. Oft sagen die Menschen, hätten wir doch noch…

Ich wünsche mir dieses „Hätten wir doch…“

In der Vergangenheit habe ich, auch wenn es mir schlecht ging, viele Tage vor duzenden Teilnehmern in PC-Kursen gestanden und keiner hat es mir angemerkt. Heute schaffe ich es nicht, wenn es mir schlecht geht, einen Fuß vor die Tür zu setzten. Warum wir manche Dinge in der Vergangenheit lernen konnten und manche nicht ist mir ein Rätsel. Warum musste ich erst wieder lernen auch raus  zu gehen auch wenn ich mich mal nicht so gut fühle?? Damals habe ich doch auch die Kraft gehabt meine Gedanken einzupacken und raus zu gehen. Das musste ich erst wieder lernen und ich habe es geschafft.

Manchmal lernen wir aus der Vergangenheit und manchmal halt nicht.

Was also kommt für unsere Zukunft dabei raus… Also ich weiß es nicht, denn die Zukunft liegt nur bedingt in unseren Händen. Aber solange wir an unserer Zukunft arbeiten, haben wir die Chance sie nach unseren Wünschen zu gestalten.
Dezember 1

Stimme auf dem Höhenflug…

Ich hatte ja schon vor kurzem einen Blog (Stimme macht Stimmung…) über das Stimmtraining bei meiner Logopädin Frau Polklas berichtet, aber ich komme nicht umhin nochmals über die überwältigen Erfolge zu berichten.

Heute Morgen musste ich ein telefonisches Gespräch mit unserem Energieversorger führen und so habe ich mal wieder in Erwartung eines „Herr Halling, wie können wir ihnen helfen…“ den Hörer in die Hand genommen. Aber zu meiner großen Freude wurde ich zum ersten Mal als Frau Halling an meiner Stimme identifiziert. Ich konnte schon fast kein Wort mehr rausbringen, einfach nur aus Freude über dieses Ereignis. Das war der beste Beweis für das gute Training von Frau Polklas. Auch Frau Polklas war in der letzten Stunde erstaunt, dass die Erhöhung der Sprechstimme bei mir ganze 4 Töne erreicht hat. Ich finde es schön, dass wir uns gemeinsam über diese Erfolge freuen können.

Zudem ist ein Spalt zwischen meinen Stimmbändern, die eigentlich Parallel nebeneinander liegen, entstanden. Dieser Spalt, der durch das Training entstanden ist, ermöglicht es mir in normalerweise zu sprechen und dabei schön weich in der Stimme zu klingen. Diese Maßnahme ist ein ganz deutliches Zeichen, dass eine Stimmband-OP wirklich mit sehr viel Erfolg umgangen werden kann.

Heute habe ich mir eine sogenannte Folgeverordnung von meiner HNO-Ärztin geholt und somit darf ich nochmals 10 Stunden in dieses erfolgreiche Training einsteigen.

Also auf ins Training…
Dezember 1

Wieder gute Nachrichten…

Nach langer Suche habe ich endlich wieder ein Hobby gefunden welches mir sehr viel Spaß macht. Ich war ja sehr lange Zeit meines Lebens eine begeisterte „schön Wetter“ Golferin, aber leider passte Golf spielen finanziell auch nicht ganz zu einer zeitlich begrenzten „Hartz IV“-Braut. Somit bin ich dem Beispiel und dem guten Rat meines Onkels gefolgt und habe mich zum Gitarre spielen hinreißen lassen. Nachdem ich eine Konzertgitarre geschenkt bekommen habe, haben Pamela und die Gitarre sich erst einmal förmlich vorgestellt. Und ich muss sagen, wir waren uns sofort sympathisch. Sie zickt zwar immer mal wieder rum wenn ich sie mal wieder nicht an ihrer richtigen Seite erwische, aber damit kommen wir beiden klar. Und Sabine gefällt mein „geklampfe“ auch wenn sich meine Finger mal wieder in den Seiten der Gitarre verknotet haben. Danke Sabine für deine Geduld und für so vieles mehr.

Sabine und ich haben jetzt auch einmal die Zeit gefunden und uns um unsere „Esszimmer“ gekümmert. Biene und ich bekommen jetzt jeweils endlich unseren so lange ersehnten Zahnersatz. Bei mir sind es nur zwei kleine Brücken mit 8 Backenzähnen. Bei Biene wird es dann ein komplettes Esszimmer und es wird glücklicherweise wie bei „Fielmann“, denn wir brauchen keinen Cent dazu bezahlen. Sabine zeigt sich dabei mit einer richtig großen Tapferkeit. Sie hat für die Übergangszeit provisorische Zähne bekommen, mit denen sie nicht einmal ein Salatblatt kauen kann. Sie muss für eine Zeit von ca 6-8 Wochen nur auch flüssige Nahrungsmittel oder stark zerkleinerte Nahrung setzen. Sie ist meine Tapfere Frau des Jahres. Aber zu Weihnachten soll alles wieder so sein wie vorgesehen. Also kann der Weihnachtsbraten kommen.

Also geht es weiter Zahn um Zahn in Essen…
Dezember 1

1 Jahr geht zu Ende…

Das offizielle Jahr des „Alltagstestes“ ist vorbei. Und ich muss sagen, obwohl es nur auf dem Papier für mich ein „Test“ war bin ich mit diesem Jahr zufrieden. Viele tiefen und höhen haben Sabine, mir und unseren Familien viel abverlangt. Sabine die mir in allen guten und schlechten Zeiten zur Seite gestanden hat. Sie hat mit mir geweint, gelacht und wir haben gemeinsam die schönste Zeit unserer Gemeinsamkeit erlebt.

Unsere Familien mussten sich plötzlich mit Themen beschäftigen denen sie vorher wahrscheinlich nie begegnet sind. Aber fast alle haben nach anfänglichen Schwierigkeiten die Veränderungen inzwischen angenommen und verstanden.

Nun bin ich froh, dass ich nicht mehr als die Transsexuelle im Alltagstest da stehe, sondern als Frau Halling mit beiden Beinen im Leben stehe.