November 24

Endlich die Epi… AUAAAAAAAA

Aua… meine erste Epilation… das tut so schrecklich weh… eine Stunde in Tränen und Schmerzen. Aber zum Glück war Biene dabei und hat meine Hand nicht los gelassen.
Jetzt erst einmal waren bis die Schmerzmittel wirkel und dann dem Geischt Zeit geben zum heilen.

Zum Glück darf ich das noch 8 mal mitmachen… HEUL

November 22

356 Tage im Alltagstest…

Fast ist wieder ein offizieller Teil für die „offizielle Anerkennung zur Frau“ vorbei. Noch 9 Tage und ich bin durch mit diesem Abschnitt. Aber was wird sich dadurch ändern, wenn diese Zeit vorbei ist… NICHTS. Es wird sich nichts ändern, denn ich werde so weiterleben wie bisher, nur dass ich wieder an einer offiziellen Hürde einen Haken machen kann.

Ich durfte sehr viel lernen in dieser Zeit. Ich habe lernen dürfen, dass es sicherlich falsch ist von einer Maskerade (mein Leben als Mann) in die nächste Maskerade zu stolpern. Ich habe versucht zu Anfang meines Alltagstestes durch dicke Schminke, extreme weibliche Kleidung usw. nach Anerkennung meiner Umwelt zu ringen. Ich habe gelernt durch mein inneres Gefühl, dass diese Art der Anerkennung die Falsche ist. Es ist viel wichtiger dass wir uns tief in uns drin wohl fühlen, und dazu gehört bestimmt nicht dass die Menschen um uns drum zu, eine „aufgetakelte Transe“ zu akzeptieren lernen. Es sollte so sein wie es jetzt ist, auch wenn ich keinen Rock (das offensichtliche Zeichen für eine Frau aus der Sichtweise vieler Gutachter) trage, auch wenn ich nicht täglich geschminkt bin und trotzdem als dass akzeptiert werde was ich bin. Als eine Frau.

Ich durfte lernen, dass die Mühlen nicht nur in den rechtlichen Bereichen langsam mahlen, sondern auch die im Gesundheitsbereich. Linderung für das innere Leidenden zu erhalten ist mit sehr sehr viel Geduld verbunden. Es ist ein sehr langer Weg.

Ich durfte lernen, dass es sehr wichtig ist wenn wir Menschen um uns haben die einen unterstützen. Meine Frau Sabine, Nicole und meine Kinder und unsere engen Freunde. Die mir immer wieder Kraft gegeben haben.

Uneingeschränkt glücklich sein kann ich erst, wenn ihr alle, die mir nahe steht und gestanden haben, verstehen würdet, dass der Geschlechtswechsel kein Ego-Trip ist, sondern für mich die einzige Möglichkeit ist zu überleben.

Ich durfte lernen, dass viele Menschen den Umgang und die Verarbeitung mit diesen krassen Wechsel in meinem Leben einfach durch andere Gründe wie z.b. die räumliche Entfernung oder meine Insolvenz zu umgehen versuchen. Das ist allerdings bei 90 Prozent aller Transsexuellen so, dass die nahestehenden Angehörigen oder Freunde auf diese Art versuchen sich nicht mit dem Thema beschäftigen müssen. Dabei kommt es oft zu einer Wertlosigkeit und Ignoranz die beiden Seiten nicht helfen wird. Wenn Eltern und Geschwister sagen dass die Transsexuallität kein Problem für sie ist werden sehr oft Mücken zu Elefanten gemacht und diese werden dann zu einem unüberwindbaren Hindernis zur Aussprache. Also bin ich auch da mal wieder in guter Gesellschaft.

Ich durfte lernen, dass unsere Kinder das wichtigste Geschenk in unserem Leben sind. Kinder zeigen uns wie schön die Welt sein kann. Kinder beurteilen und Verurteilen nicht. Kinder zeigen uns dass wir nicht immer als erstes nach einem Schuldigen suchen müssen um zu erkennen dass manche Änderungen in unserem Leben einfach von der Natur gefordert werden. Daher sind unsere Kinder das wichtigste was wir haben und wir erwachsenen sind dafür verantwortlich, dass unsere Kinder trotz krasser Änderungen im Leben immer noch an das Gute und Ehrliche im Leben glauben dürfen.

Ich durfte lernen, dass auch wenn man sich Monate lang auf etwas freut, diese Freude schnell vorbei sein kann wenn es dann so weit ist. Ich habe mich so sehr auf die Epi gefreut und dann als es endlich so weit war habe ich gemerkt wie sch… Weh das tut. Ich habe in meinem ganzen Leben noch nie solche Schmerzen ertragen müssen und nach der ersten Sitzung sehe ich jetzt schlimmer aus als vorher. Das ganze Gesicht ist schwarz. Wo ein „normaler“ Bartschatten war ist jetzt eine schwarze Fläche mit vielen Pickeln. Das kommt daher, dass die angeschossenen Haare erst nach und nach aus der Haut rauskommen. Aber ich habe schon dank Svenja eine Lösung für diese schmerzhafte Form der Haarentfernung gefunden. Danke dafür.

Ich durfte lernen, dass wenn man zu sich selbst steht das Leben viel Glücklicher wird. Hormone die mir zeigen „hey, nu formen wir den Körper endlich so wie du ihn fühlst“ sind ein weiteres Geschenk in meinem Leben. Eine Frau die meinen Weg an meiner Seite geht. Sabine ich liebe dich. Danke für alles.

Ich hoffe dass ich noch sehr viel lernen darf, auch wenn es bald nicht mehr der Alltagstest sondern mein Leben ist, denn als diese Erfahrungen zeigen mir wie vielfältig unser Leben ist und dafür bin ich dankbar. Ich bin dankbar weiter leben zu dürfen.
November 17

Kaum zu glauben aber wahr…

Die Götter des MDK sind von ihrem Thron herabgestiegen und haben sich den menschlichen Problemen zugewannt. Nach nun mehr 9 Monaten haben sie sich herabgelassen und mir endlich ihren Segen für die Epilation erteilt. Kaum zu glauben, aber seit heute habe ich die schriftliche Bestätigung der Krankenkasse das ich mich einer Lasergesichtshaarentfernung unterziehen darf.

Endlich hat das warten und das zähe Ringen um die aus meiner Sicht überflüssigen und menschenverachtenden Forderungen ein Ende. Die Götter haben zugestimmt. Dass sie mich damit 9 Monate meines Lebens um ein Funken menschenwürdiges Auftreten in der Öffentlichkeit gebracht haben ist diesen Menschen wahrscheinlich nicht einmal aufgefallen. Und das nur weil wir ja alle nur Papierstapel auf ihren Schreibtischen sind, wo Menschlichkeit ein verbannter Begriff ist. Weil die Götter nach Richtlinien endscheiden, die völlig veraltet und nicht passend zu den Symptomen sind.

Lieber MDK ich werde mich nach meinen Möglichkeiten dafür stark machen, dass dieses Verhalten welches schon an Körperverletzung grenzt, keine Zukunft mehr hat. Auch ich habe es jetzt durchgemacht, wie viele andere Leidensgenossinnen vor mir auch schon und somit weiß ich jetzt dass euer Verhalten und eure Richtlinien für traurige und bedrückende Lebensmomente sorgen.

Erst jetzt kommt bei mir ein Gefühl des Glücks auf, weil ich weiß dass mit diesem hässlichen Bartschatten jetzt bald Schluss ist. Zum Glück hat mein Hautarzt da mehr Verständnis und somit hat er mir gleich für Morgen einen Termin zum ersten Laserbeschuss zugesichert. *Freu

November 6

Reise in die Vergangenheit…

Gestern haben Biene, Timmi und ich eine für mich sehr wichtige Reise in die Vergangenheit angetreten. Wir haben früh morgens einen Zug in Richtung meiner alten Heimat Emstek angetreten. Es war für mich sehr wichtig da mich in der alten Heimat alle nur als Mann kannten und ich für mich schauen musste ob ich den hochkatholischen Boden der Provinz noch einmal betreten konnte.

Während der dreistündigen Zugfahrt hatte ich mal wieder genug Zeit richtig nervös zu werden, aber Biene war mal wieder der Fels in der Brandung für mich und hat mich immer wieder auf die Seite der Ruhe zurück geholt. Als wie dann in Cloppenburg angekommen waren, lag noch ein kleiner Fußmarsch vor uns. Leider sind in diesen dörflichen Bereichen die öffentlichen Verkehrsmittel eine aussterbende Rasse und daher haben Biene, Timmi und ich den kleinen Fußmarsch von 7,2 Km für diesen wichtigen Besuch auf uns genommen. Wir haben es wirklich genossen, vor allem Timmi, denn diese Eindrücke und Gerüche vom Lande waren scheinbar neu für unseren kleinen Stadtneurotiker.

Als wir dann das Ortsschild Emstek in Sichtweite hatten, ist bei mir erst mal der Puls in die Höhe geschossen. Ich habe dann wie mit meiner Ex-Frau Nicole vereinbart kurz vor Erreichen deren Wohnung noch mal durchgerufen. Aber es war nicht Nicole die das Gespräch entgegen genommen hatte, sondern meine große Tochter, die keine Ahnung von unserem Besuch hatte. Ich habe ihr dann gesagt, dass wir ein wenig am Spazieren gehen sind und ich mich nur mal melden wollte.

10 Minuten später sind meinen beiden Töchtern dann die Augen aus dem Kopf gefallen, als ich plötzlich vor der Tür stand. Nach dem ersten ungläubigen Blicken fielen wir uns dann in die Arme. Wir haben einen wundervollen Nachmittag mit den Kindern erlebt. Wir haben viel gelacht und Spiele gespielt.

Meine beiden Kinder und ich haben dann auch noch mal den Hund Gassi geführt. Bei diesem kleinen Spaziergang habe ich dann auch noch einen Feuerwehrwagen entdeckt, einer von denen, mit dem auch ich damals in meiner 13 jährigen Feuerwehrzeit gefahren bin. Die Kameraden haben sich offensichtlich mit der jährlichen Hydrantenpflege beschäftigt. Es waren offensichtlich neue Feuerwehrleute, den ich habe sie nicht mehr gekannt. Wie wäre es gewesen, wenn es alte Kameraden von mir gewesen wären… Hmmm ich weiß es nicht…

Nach einem wundervollen Nachmittag bei meinen Kindern haben wir drei und dann nach einem „kleinen“ Fußmarsch zurück zum Bahnhof in Cloppenburg und einer dreieinhalbstündiger Zugfahrt ging für uns eine erfolgreiche Reise in die Vergangenheit zu ende.

Das einzige war diesen wundervollen Tag ein wenig getrübt hat, war einmal wieder meine Verwandtschaft. Meinem Wunsch nach Versöhnung  und einer Aussprache konnte mal wieder keiner nachkommen. Sind die wunden alle noch so Frisch??? Sind zwei Jahre der Wortlosigkeit nicht genug??? Ich hätte mich echt über ein Wort gefreut.

Oh, hatte ich vergessen, es gab ja Worte, leider nur zu Nicole, die ihr gesagt haben ja nicht zu vergessen, dass der Vater ihrer Kinder keinesfalls von Ihr abgeholt werden darf, sonst bekommt sie diese milde Gabe des Autos am Wochenende nicht mehr. Wie erbärmlich noch einmal durch diesen Anruf vor meinem Besuch wieder einmal zu beweisen wie verbohrt und kleinkariert die weibliche Form der Menschen sein können. Mit einer solchen Drohung schaden sie doch nur ihren Enkelkindern, denn ich besuche meine Kinder und komme nicht nach Emstek um irgendwelche katholisch verbohrten Dörfler zu ärgern. Papa, ich liebe dich immer noch, aber meine liebe zu dir wird durch solche Aktionen immer mehr geschälert. So werden die Chancen für einen Neuanfang immer kleiner, was mich sehr traurig macht.
November 3

Rundum glücklich…

Wie glücklich können wir werden??? Wie viel glücklich sein können wir vertragen??? Mein Gyn hat mich gefragt ob ich was dagegen hätte wenn wir meine glückliche Stimmungslage noch ein wenig ausweiten können. Mein erster Gedanke zu dieser Frage war: “Ist das wirklich noch steigerbar???“

Ja, das ist es. Meine Dosis für das Estradiol wurde noch mal angehoben und die Auswirkungen waren noch eine Portion Glücksgefühl oben drauf. Ein wie in Stein gemeißeltes glückliches Gesicht strahlt Sabine schon kurz nach dem wach werden entgegen. Danke Doc, das haben Sie gut gemacht.

Aber auch die Ereignisse der letzten Zeit haben mich noch weiter in Richtung „Glücklichste Frau im Universum“ geschoben. Das mich der Staat endlich als Frau anerkannt hat, war ein sehr sehr großer Schritt. Obwohl in Briefen und Schreiben von den verschiedensten Ämtern und Behörden noch sehr oft Herr Halling auftauchen wird, lässt es mich doch sehr weit nach vorne schauen. Ich konnte endlich mit der ersten rein weiblichen Bewerbung im Arbeitsmarkt auf mich aufmerksam machen, denn viele Zertifikate haben sich sehr schnell mit den richtigen Daten ändern lassen. Also auch das läuft endlich…

Kurz nachdem ich endlich als Frau staatlicherseits anerkannt wurde gingen die ersten Sachen schon in die Hose. Kaum ist Sie als Frau anerkannt schon klappt es mit der Technik nicht mehr. Als erstes nach dem ich den Bescheid vom Amtsgericht Dortmund gelesen hatte, habe ich blöderweise sofort mal unser Telefonbuch im Telefon versehentlich komplett gelöscht. Kommentar von Biene:“Typisch… Frauen und Technik“. Nachdem wir herzlich gelacht haben, habe ich mich gleich daran gemacht, alle Nummern wieder zu finden.

Dass es eine Frau mehr auf dieser Welt gibt hatte sich dann auch schnell rumgesprochen und mein Onkel hat mich mit einem Video, welches per Mail kam, erfreut. Ein Geburtstagsständchen auf der Gitarre vorgetragen und mit dem Text versehen „ Happy Birthday dir Frau Halling….“ hat es mein Herz zum Leuchten gebracht. Danke Onkel H.