August 20

Ist Menschlichkeit so schwer???

Woher kommt es das ich mir manches Mal wünsche eine andere Krankheit zu haben. Der innerliche Drang als Frau leben und akzeptiert zu dürfen wird immer wieder zu einem unerträglichen leiden. Das schlimme daran ist, dass es von vielen verschieden Situationen verstärkt oder gemildert wird. Heute hat mich mal wieder, wie so oft in der Vergangenheit, ein Brief meiner Krankenkasse daran erinnert, das Menschen mit der Diagnose Transsexualität nur Menschen zweiter Klasse sind. Selbst einem Krebspatienten wird mehr Menschlichkeit zu teil. Ich persönlich habe noch nie davon gehört, dass ein Krebspatient ein Jahr lang ausprobieren soll ob es ihm gefallen würde wie es ist gesund zu sein. Warum müssen wir uns also dem öffentlichen Gespött ein Jahr lang Preis geben?? Warum kann ein MDK (Medizinischer Dienst der Krankenkassen) festlegen, das eine Epilation der Bartbehaarung erst am Ende eines einjährigen Showlaufens als „Transe“ erfolgen darf??? Wieso müssen wir gefühlte 1000 Gutachten über uns ergehen lassen. Wieso will von uns jeder einen transsexuellen Lebenslauf, obwohl es  schon Gutachten darüber gibt?? Wieso müssen wir um alles was und zur Genesung zuträglich ist kämpfen??? Lieber MDK, WAS SOLL DAS??????????

Manchmal wünschte ich wirklich es hätte mich eine andere Krankheit getroffen. Selbst Krebs hätte ich in zwischen als menschlicher empfunden.

Die erneute Nachricht der Krankenkasse zur Epilation hat mich einmal mehr in ein tiefes Loch gezogen. Wut, Unverständnis und die verdammte Angst noch mehr Tage mit dem Bartschatten leben zu müssen machen sich in meinem Kopf breit. O.k. dass ist etwas womit transsexuelle Menschen scheinbar leben müssen. Aber warum??? Sind wir wirklich nur Menschen zweiter Klasse??? Vielleicht fragt sich die eine oder andere auch was ich für ein Problem damit habe, denn man kann doch alles wegschminken. Ja, natürlich kann man erst ein Camouflage auftragen um dann zu versuchen mit einem natürlichen Makeup den Rest zu retten. Aber mal ehrlich, welche Frau nimmt so viel Makeup??? Zum zweiten hält es nur ein paar Stunden bis sich der hässliche Bartschatten wieder zeigt. Damit einen Job zu finden, in dem Frau Vollzeit angestellt wird ist ziemlich aussichtslos. Also was sollen die transsexuellen Menschen von Mann zu Frau im sogenannten „Alltagstest“ testen?? Wie man sich am besten rasiert, damit der Bartschatten möglichst wenig zu sehen ist?? Das kann ich leider schon seit ca. 25 Jahren, dass brauche ich nicht mehr in einer einjährigen Erprobungszeit üben. Oder sich als „Kunstfigur“ mit Tonnen von Schminke im Gesicht auf der Straße blöde, herablassend und entwürdigend begaffen zu lassen. Ne, das braucht wohl keine von uns.

Meine eigene Brust wächst dank der Hormone. Ist es jetzt ein Segen oder führt es zu neuen Problemen?? Eigene Brust und Bartschatten, dabei hatte ich mich so sehr gefreut, dass ich endlich die Hormone bekomme. Aber vielleicht verhilft mir diese Kombination ja zu einem Job… vielleicht auf dem Jahrmarkt als Frau mit Bart.

Nein, wir wünschen uns nur so akzeptiert zu werden wie wir sind auch wenn ich mir inzwischen wirklich manches Mal wünsche eine andere Krankheit haben zu dürfen.

Immer wenn ich solche Nachrichten bekomme werde ich leider still. Sehr still, den ich spreche den ganzen Tag nicht mehr. Es ist wie damals, Gefühle unterdrücken um niemanden aus dem näheren Umfeld durch unkontrollierte Äußerungen zu kränken. Um den Ärger über so viel Inkompetenz  des MDK nicht auf die Menschen die man liebt zu übertragen. Diese Stille ist für mich auch nur schwer zu ertragen, aber ich kann leider nicht anders als sie zu ertragen.

Einen stillen Gruß an alle die ich liebe…
August 5

Meine erste Frisur….

Heute haben Sabine und ich unsere Friseurin des Vertrauens Christiane einen Besuch abgestattet. Nach den ersten lustigen Versuchen etwas gutes für unsere Frisuren zu finden, haben wir uns dann für die lebenslustige und immer lächelnde Christiane entschieden. Christiane gibt ihr bestes um Pam zu stylen Es ist beeindrucken mit wie viel Ruhe und Geschick sie aus dem fast noch hässlichem Entlein eine kleine alternde Prinzessin zaubert. Ich glaube nach unserm Besuch hat sie viel stärkere Nerven als vorher… eine pubertierende Zicke ist ja auch nicht so einfach zu frieden zu stellen. Aber sie hat es mal wieder geschafft. Irgendwie schafft sie es immer… ob es beim DSC00382kurzen “Reinschauen” mit einem kleinen Schnitt oder bei einem gezielten Besuch zur Grundsanierung ist… Sie zaubert immer wieder ein lächeln ins Gesicht. Und nun kann der CSD 2011 in Essen kommen….

August 3

Das große Kino des Lebens…

Das große Kino des Lebens hält immer wieder die eine oder andere Überraschung für uns bereit. Manche können wir dabei mit Popcorn genießen und bei der anderen müssen wir uns schon richtig am Kinosessel festkrallen damit wir nicht herausfliegen. Hierbei ist der Satz von Forrest Gump „Das Leben ist wie eine Schachtel Pralinen, man weiß nie, was man bekommt“ sehr  zutreffend.

Bei Asterix ist es so, dass sich das kleine Gallische Dorf den Widerstand gegen das römische Reich auf die Fahnen geschrieben hat und wo es im wahren Leben doch meist die kleinen niedersächsischen Dörfer sind, die sich dem Widerstand gegen das sachliche, menschliche und weltoffene Verhalten auf die Fahnen geschrieben haben (o.k. das passt natürlich in dem Fall mehr zu Don Quichote). Da haben selbst die Figuren bei Asterix mehr Verstand bewiesen, obwohl sie nur auf Zelluloid existieren. Da freut man sich doch, dass es zum Glück keine Scheiterhaufen mehr in kleinen hochkatholischen Dörfern gibt.

Andere Filme haben aber auch ihren Reiz, wie zum Beispiel „Auf der Suche nach dem goldenen Kind“ mit Eddie Murphy. Hier wird sehr eindrucksvoll gezeigt, dass es sich nicht schickt, das goldene Kind welches Mal zu Besuch ist, aus allen Himmelsrichtungen mit lästern oder bösen Gemeinheiten zu belabern um es mit dem Bösen zu infizieren. Sowas sollte man auch im wahren Leben nicht machen, denn eine Kinderseele zerbricht so leicht und sie kann nicht so einfach wieder geheilt werden. Ich denke aber, dass alle Eltern, Großeltern und Tanten die ihre goldenen Kinder lieben, dieses nie machen würden. Also bleibt es zum Glück nur im Film so, denn es ist schon erbärmlich von erwachsenen Menschen, wenn Kinder für perfide Pläne ausgenutzt werden, weil mache Erwachsene es nicht hin bekommen sich auch wie ein erwachsener Mensch zu verhalten.

Aber manchmal ist das wahre Leben noch schöner als im Film. Ich selbst konnte jetzt einmal wieder eine ganze Woche mit meiner großen Tochter verbringen, da sie einen Teil ihrer Sommerferien bei mir verbracht hat. Es war eine wundervolle Woche mit viel Knuddeln und Spaß.

Wenn man seine Kinder der Umständehalber wenig sieht, zählt jeder Moment. Und deshalb haben wir auch jeden Moment genossen. Dazu hat man dann manchmal noch das Glück, das Gevatter Zufall nochmals seine Karten ausspielt, denn es hat sich eine Möglichkeit geboten meine Tochter auf ihrem Weg nach Hause zu begleiten. Und sofort kamen wieder die lästigen Gedanken im Hinterkopf. Immer noch keine Epi und doch insgesamt 8 Stunden mit dem Zug fahren?? Um diese Gedanken nicht den ganzen Tag teilen zu müssen und um das blöde Grübeln abzuschalten habe ich mich dafür entschieden mehr oder weniger neutral gekleidet und ohne Makeup die Zugfahrt anzutreten. Am Ziel der Hinreise stand ja noch eine sehr große Freude am Bahnsteig und wartete auf mich. Ich hatte zum Glück die Möglichkeit bekommen meine kleine Tochter zu sehen. Leider nur für eine kurze Zeit, aber jeder Moment im Leben zählt.

Mit diesen beiden Zielen vor Augen ging es dann in Richtung Bahnhof. Die Zugfahrt war unproblematisch und dann konnte ich so zu sagen im „Gallischen Gebiet“ meine kleine Tochter in die Arme schließen. Wir haben einen Abstecher in ein Eiskaffee gemacht und ich konnte sehr viel Kraft sammeln, denn meine beiden Töchter haben um die Wette gestrahlt. Ich glaube die Sonne war zu diesem Zeitpunkt neidisch, denn meine beiden haben ihr definitiv Konkurrenz gemacht. Leider hat der Zugfahrplan für dieses Treffen keine Gnade mit uns gehabt und somit ist dieser Moment des Glückes leider nur ein kurzer Moment geblieben. Nach dem Strahlen der Gesichter kamen dann die Tränen des Abschieds und somit haben meine beiden goldenen Kinder und ich ein Meer aus Tränen vergossen. Somit traten Sabine und ich die 3 ½ stündige Heimfahrt an. Auch wenn mir der Abschied sehr schwer gefallen ist, weiß ich dass meine Kinder dort Aufwachsen wo sie hingehören, bei ihrer Mutter, die wie immer einen sehr guten Job macht.

Heute sind alle meine Tränen getrocknet und ich werde meine Gedanken auf das nächste wiedersehen richten. Sei es im Videochat oder bei einem Besuch. Ich liebe euch, meine beiden goldenen Kinder.
Somit geht das große Kino des Lebens für uns alle weiter… und dem nächst sogar in 3D….