Juni 28

Auf dem Weg…

Auf dem Weg zu meinem Therapeuten habe ich gestern mal wieder eine sehr lange Wartezeit an der Straßenbahn in Kauf nehmen müssen. Zum Glück bin ich dann noch mit einer neben mir wartenden Frau ins Gespräch gekommen. Wir unterhielten uns über dies und das und dann kam das Thema auf die Transsexualität. Während des Gespräches habe ich dann wieder einmal eine Bestätigung für unsere neue Wahlheimat Essen bekommen. Es ist fast schon unglaublich wie offen und freundlich die Menschen auch dem unbekannten gegenüber stehen. Werden die Menschen in der Stadt anders erzogen?? Wird bei den Christen in der Stadt das anormale im Religionsunterricht nicht verteufelt?? Es ist mir immer noch ein Rätsel wie die Menschen vom Land und die aus der Stadt so unterschiedlich reagieren können. Oder ist es gar die Anonymität die das Leben in der Stadt prägt, wogegen auf dem Land natürlich jeder über jeden Bescheid weiß und natürlich auch über jedes Thema seinen Senf dazu geben muss. Ich glaube alles im Leben hat seine Vor- und Nachteile. Im Moment genieße ich den Vorteil der Stadt, das die Menschen hier einfach offener und zugänglicher sind. Leider hatten die nette Frau und ich nicht mehr die Zeit das Gespräch fort zu führen da die Straßenbahn nach langem Warten und einer kurzen fahrt das Ziel der frau erreicht hatte. Aber Essen ist klein und somit bin ich guter Hoffnung, dass wir das vielleicht noch einmal nachholen können. Das Leben von Transsexuellen Menschen ist nicht DSC00354unbedingt das leichteste. Wir müssten uns leider von vielen Dingen im Leben trennen. Den Meisten wird gesagt, dass mit dem Outing der wichtigste und schwerste Schritt gemacht ist. Das Komische ist, das keiner davon spricht, das viele Betroffene nach dem Outing auf der Straße stehen, das sich die sozialen Kontakte die es mal gegeben hat der Vergangenheit an gehören, das plötzlich Menschen und Organisationen über dein Leben entscheiden dürfen obwohl diese von Transsexuellen so viel Ahnung haben wie ein Hamster vom Fahrrad fahren. Hinzu kommen gefühlte 10000 extrem persönliche Fragen die Frau für ein Gutachten beantworten muss. Alles in allem also ein richtig tolles Leben worauf Frau sich da freuen kann sobald der so schwere Schritt des Outings erst mal gemacht ist. Viele Fragen mich immer warum ich so offen hier in meinem Blog über mein Leben und all die Ecken und Kanten berichte. Ist es Bloßstellen von Situationen im Leben um andere Menschen zu verletzten??? Ist es um Aufmerksamkeit zu erregen?? Nein, ich schreibe hier um den vielen unentschlossenen Leidensgenossen da draußen zu zeigen, dass es ein extrem entbehrungsreicher und nicht immer sehr leichter Weg nach dem Outing ist. Es gibt in unserem Leben mehr Höhen und Tiefen in schneller Folge als die meisten Menschen es sich nur ansatzweise Vorstellen könnten. Natürlich habe ich das grenzenlose Glück, das ich eine Frau habe die mich liebt und begleitet. Das ich Kinder habe die mich akzeptieren und mich lieben. Dass ich eine neue Familie gefunden habe auch wenn immer das Stief davor steht. Dass ich eine Ex Frau habe, die ein Beispiel für Anstand und Kraft ist. Das habe wirklich nur sehr wenige die sich auch auf dem Weg befinden. Umso trauriger ist es immer wieder wenn man von den unentschlossenen Leidensgenossen mal wieder eine an die Unendlichkeit des Todes verloren haben, weil der Druck ohne Hilfe zu groß wurde. Mit all diesen Höhen und Tiefen kann man nur umgehen, wenn Freunde da sind die einen unterstützen, wenn vielleicht ein Partner da ist der einen in die Arme nimmt und die schweren Zeiten gemeinsam nicht mehr so schwer scheinen. Ihr werdet es schaffen, wenn ihr euer Ziel nie aus den Augen verliert und ihr werdet mit einem Glücksgefühl belohnt, welches ihr noch nie gefühlt habt. Haltet einfach durch und sucht euch Profis als Hilfe. Und glaubt mir wenn ich sage dass die beste Freundin oder ein aufgeschlossenes Internetforum nicht als Profi durch geht. Es sind Fachärzte von denen ich spreche. Sie bieten die Hilfe die benötigt wird. Nach einer unendlich langen Wartezeit habe ich auch meine Hormone bekommen und das war jetzt scheinbar der Startschuss für ein Wettrennen der Termine. Die Gutachter geben sich die Klinke in die Hand und das Ziel endlich auch vor dem Gesetz als Frau akzeptiert zu werden und mit dem richtigen Vornamen im Ausweis sich auch endlich mal nicht mehr an der Kasse eines Supermarktes belächeln zu lassen weil man mit der EC Karte bezahlen möchte. Die Hormone machen eine spürbar glücklichere Frau aus mir. Natürlich haben auch die Hormone ihre Vor und Nachteile, den die Wahnsinnige Empfindlichkeit die sich in meiner Brust angesammelt hat macht es mir zurzeit schwer die Prothesen für die weibliche äußere Form zu tragen. Aber mit so viel Glücksgefühl im Bauch ist auch das kein Problem, denn auch ein wenig mehr androgyn kann Frau auch den Alltag bewältigen. Also alles kein Problem solange Frau glücklich ist. Und ich bin glücklich….

Juni 22

203 Tage meines Lebens…

Wieder ist viel Wasser durch den Rhein und sämtliche anderen deutschen Flüssen geflossen und seit einer Woche fließen durch meine Blutbahnen die lang ersehnten weiblichen Hormone. Ich fühle mich so unbeschreiblich glücklich. Sabine schaut mich schon immer ganz merkwürdig an, denn nun lebt endlich wieder eine “dauergrinsende” Frau mit ihr zusammen. Vergessen sind die schlimmen Tage, bei denen es um die Fragen von Leberwerten und eine ungewisse Zukunft ging. Diese kleinen Zauberpillen machen mich so unsagbar glücklich. Viele werden sagen du spinnst, aber ich spüre ihre Wirkung sehr gut. Ich bin glücklich und ausgeglichen. Es ist etwas ganz besonderes, wenn das passiert, wonach jemand sich so lange gesehnt hat. Ich bin, nachdem Sabine und ich vom Hormondoktor zurück waren, wie ein junges Mädchen das zum ersten Mal alleine auf eine Party darf durch die Wohnung gehüpft und habe mir sogleich mal die Schulter bei einem übermütigen Hüpfer auf´s Bett gezerrt. Hier fliessen Hormone Es ist ein wenig so, als wenn alle Sorgen nicht mehr so groß scheinen. Die Arbeitslosigkeit, der chronische Geldmangel und all die anderen anwaltlichen Geschichten. Ich habe den Schlüssel zum Glück in Form eines Rezeptes von meinem Hormondoktor bekommen und das können Sabine und ich nun endlich auskosten. Ich habe sehr lange daneben gehangen, weil der Weg schon fast für mich zu ende schien, aber meine Sabine, meine Kinder, meine Ex-Frau und meine Stiefkinder haben mich immer wieder aufgebaut. Ohne diesen Personenkreis und meiner geliebten Frau Sabine hätte ich es sicherlich nicht bis hier her geschafft. DANKE

Auf in die nächsten 203 Tage…

Juni 16

Immer wenn Sie Pillen nahm…

Es ist endlich so weit, das warten hat ein Ende, ein weiteres Ziel ist erreicht UND ICH FÜHLE MICH GLÜCKLICH. Heute habe ich mein erstes Rezept für die Hormontherapie bekommen. DSC00351_1 Ich könnte dir ganze Welt umarmen. Das ist ein wahnsinnig wichtiger Schritt für mich. Endlich bekommt mein Körper das wonach meine Seele schon so lange verlangt hat. Nach dem Abendessen habe ich dann auch sofort die erste Pille Estradiol für meine geliebte weibliche Seite genommen und auch 1 Pillchen Cyproteronacetat für die ungeliebte andere Seite. Es ist ein wundervoller Tag für mich und Biene, den endlich hat der Lebermarathon ein Ende!!!!!!!!!!!!!!

Juni 15

Ein kleiner Schritt für die Menschheit und ein großer Schritt für Pam

Sehr gute Nachrichten werfen ihre Schatten voraus. Nach einem wundervollen Wochenende mit meiner Tochter bin ich wieder voller Energie in die Woche gestartet. Es ist erstaunlich wie viel Energie wir sammeln können, wenn wir unseren Kindern zuschauen und von ihnen lernen. Ich glaube Kinder sind die Lebenskraft ihrer Eltern und ich bin so froh, das ich so viel von meiner großen Tochter lernen darf. Sie hat mir mal wieder gezeigt, das man das Leben, so schwer es auch manchmal zu sein scheint, immer mit einem Lächeln auf den Lippen und ganz viel Glück im Herzen genießen kann. Diese Lebensfreude, die meine Tochter mir mal wieder gezeigt hat, hat mir eine Kraft gegeben, von der ich wieder sehr lange zerren kann. Danke meine süße große Maus. Ich liebe dich und deine süße kleine Schwester. Heute bin ich also wieder mal frohen Mutes zu meiner Ärztin und habe den Besprechungstermin in der Ewigen Hormonfrage wahr genommen. Und schon die netten Arzthelferinnen haben die ersten Signale für einen schönen Tag gestellt. Wenn Frau mit so viel Freude begrüßt wird, kann dem Tag schon nichts mehr passieren. Dann kamen die unendlich scheinenden Minuten im Wartezimmer der Praxis. Ab wie sagt ein Sprichwort “Was lange währt wird endlich gut… “ und mit diesem Vorsatz musste auch meine Ärztin den Tag begonnen haben, denn auch sie hatte ein Lächeln auf den Lippen. Um das ganze ab zu kürzen. Sie hat mir die Freigabe für die Hormone erteilt. Ich konnte es zwar im ersten Moment nicht wirklich glauben, aber es ist wahr, Pam bekommt wirklich bald Hormone. Flugs noch einen Termin beim Hormondoktor geholt und morgen wird dann hoffentlich der Tag der Tage sein. Die Chancen auf ein Rezept morgen Nachmittag in meiner Hand sind auf nahe zu 100 % gestiegen. Hoffentlich ist somit die Never ending story der Leber zu ende.

Juni 9

Freunde sein und bleiben…

Wie definiert Mann oder Frau eigentlich eine Freundschaft. Ist eine echte Freundschaft eigentlich für immer oder ist sie nur zeitlich begrenzt? Manchmal trifft man sich fast täglich und würde nur von einer Bekanntschaft reden und andere sehen sich viele Jahre nicht und sind echte Freunde. Aber was bringt eine Freundschaft dazu zu zerbrechen. Man zieht in eine andere Stadt, man verliert sich aus den Augen oder es kommen Krankheiten auf, mit denen niemand gerechnet hat. Ich stelle mir seit ein paar Monaten diese Frage. Ich habe sehr viele aus meiner Sicht Freunde ende letzten Jahres, zu beginn meines Alltagtestes angerufen um ihnen persönlich mitzuteilen, was sich bei mir getan hat. Ich habe mich zu der Zeit echt gut gefühlt, als mir gesagt wurde, das diese Neuerungen in meinem Leben keine Auswirkungen auf die Freundschaft hat. Eigentlich ist es auch das schönste das ein Freund mitteilen kann. Ich nehme dich wie du bist. Nun stellt sich für mich seit sehr langer Zeit die Frage ob der wirkliche Grund, dafür das Freunde sich nicht mehr melden, mit denen man vorher sehr oft gesprochen, telefoniert oder geschrieben hat, die Entfernung auf Grund des Umzuges ist. Vielleicht ist es auch nur eine natürliche Auslese aller Darwin. Es muss die Entfernung sein, weil ein Freund bei einer solchen Nachricht über eine Transsexuelle im Bekanntenkreis sicherlich die Betroffene nicht anschwindeln würde in dem gesagt wird, das diese Nachricht natürlich keine Auswirkung auf die Freundschaft hat. Aber wenn schon die Menschen mit denen man aufgewachsen ist schon lustige Ausreden verwenden um den Kontakt nur noch auf anwaltliche Art mit einander zu Kommunizieren beschränken zu können, dann haben Freunde auch die Freigabe einen Menschen still und heimlich zu vergessen. Also wird es die größere Entfernung sein… da bin ich mir fast sicher. Viele Transsexuelle haben mir von diesem typischen Verhalten erwachsener Menschen berichtet. Ich habe gedacht bei mir ist es anders… Manchmal soll Frau halt nicht denken sondern abwarten.

Juni 8

Das Passing muss stimmen…

Diese Woche begann alles andere als gut. Am Montag war scheinbar der Tag der Transenerkenner. Komischer Weise waren alle Transenerkenner aus Essen auf den selben Wegen wie Sabine und ich unterwegs. Lange fesselnde Blicke mitten ins Gesicht. Welch ein Spaziergang, denn ich fühlte mich wirklich von allen angestarrt und zum guten Schluss musste dann auch noch so ein Obermacho die Frage aller Fragen in frecher und herablassender Weise stellen… “ War das gerade ein Mann oder eine Frau”… Wie sollte ich einem solch testosterongesteuertem und mit einer Haar-Gel–Fresi Marke 80´ger verunstaltetem Menschen erklären, das ich zur Zeit noch irgendwie beides bin. Aufgrund des vermutetem Defizits seitens des IQ habe ich mich für die konfliktlose Variante entschiede und bin mit Sabine unseres Weges gegangen. Dieser Tag sollte nicht mein Freund werden. Total entnervt und sehr berührt von dem Spaziergang kamen Sabine und ich dann nach Hause. Es war wirklich nichts mehr an diesem Montag zu retten… aber dann hatte Henning Baum mit uns ein Einsehen und gab um 20:15 Uhr wieder mal eine super Folge des Letzten Bullen zum besten. Der Dienstag verlief da schon besser und hat mir wieder ein Lächeln ins Gesicht gezaubert. Zum ersten Mal seit wir in Essen wohnen hatten wir unsere Vermieter zum Kaffee da. Wir hatten das eigentlich schon lange geplant, was was lange geplant wird, wird sehr oft geplant. Ein dummer Zufall war nun hilfreich und wir haben es endlich geschafft unsere Kaffeeeinladung von unserem ersten Kontakt in die Tat um zu setzten. Wir wussten auch nicht recht wie sie wohl reagieren werden, wenn plötzlich zwei Frauen in der Wohnung wohnen wo ein Pärchen aber den Mietvertrag unterschrieben hatte. Und was soll ich sagen, es war ein sehr liebenswerter und fröhlicher Besuch. Keine Berührungsängste und ein sehr liebes Kompliment von unseren Vermietern hat den Anfang gemacht meine und Sabines Woche zu retten. Heute war es endlich soweit und mein erster Termin für die Begutachtung zur Personen und Vornamensänderung wurde Realität. Natürlich hatte ich erst einmal bedenken nach einem solchen Montag. Was ziehe ich an… wie mache ich mir die Haare, welches Makeup… Fragen die kein Ende nehmen wollten. Bekomme ich noch einmal so ein schlechtes Passing wie am Montag hin oder wird es ein aller Welt´s Outfit werden welches mich in der Menge der Menschen untergehen lässt. Die Bestätigung für die richtige Wahl habe ich dann im Zug Richtung Düsseldorf bekommen. Die Menschen habe mich als Frau wahrgenommen und kein “erster” Blick der Menschen traf mich wie am Montag. Auch der Termin an sich verlief sehr gut. Eine Menge Frage zu meinem Leben und die Absprache eines neuen Termins für die nächste Woche machten die Begutachtung erträglich. Also bin ich wieder einen Schritt weiter. Und für alle die noch am Passing arbeiten… weniger ist manchmal mehr….