März 20

Die Vergangenheit bewältigen…

Sabine und ich haben wiedermal eine turbulente Woche hinter uns. Von explodierenden Wasserkochern bis zu Terminen für “Mittellose Menschen” bei der Arge. Scheinbar ist das neue Leben einer Transsexuellen durch diese Erfahrungen schon vorprogrammiert. Nachdem Sabine und ich gestern Abend endlich mal dazu gekommen sind unsere Foto´s aus der Vergangenheit zu sortieren, sind bei mir mal wieder viele Fragen aufgetaucht. Ich habe eine Fototasche gefunden, die von meinen Eltern für meinen ersten Aufenthalt in einer Psychiatrie mit 18 Jahren zusammen gestellt wurde. Wenn ich mir heute die Foto´s aus der Kindheit so anschaue,   stelle ich mir doch schon die Frage warum es nie jemand gemerkt hat. Sabine war nicht in der Lage bei einem Foto, welches mich mit 10 Jahren in einer Gruppe von 3 anderen Mädchen zeigt, herauszufinden wer ich auf dem Foto bin. Ich war in meinem Leben in so vielen Kliniken und ich habe so oft den Ärzten gesagt das ich nicht weis wer ich bin. Bin ich nur an schlechte Ärzte geraten??? Ich glaube nicht, das ein heranwachsender Jugendlicher weis, wie die Symptome für eine Transsexuallität sind. Wie wäre mein Leben verlaufen, wenn es so viel früher bei mir erkannt worden wäre was mit mir los ist. Mit dem ersten Krankenhausaufenthalt ist meine erste Lehre auch den Bach runter gegangen und somit begann ein Leben welches zwei Seiten hatte. Einerseits der Junge, dem keiner anmerken sollte das er anders war und dann das Mädchen das so oft wie möglich da sein wollte aber sehr große Angst hatte entdeckt zu werden um dann als Absurdum und Ausgestoßene in einer katholischen Welt einen Spießrutenlauf mitmachen zu müssen. Damit kam dann nach der zweiten Lehr, die ich glücklicherweise geschafft habe, die Bundeswehr. Es musste ein echter Männerberuf sein um für mich klar zu machen… Du bist ein Mann. Ich wusste damals noch nicht, das man diese Gefühle und den Leidensdruck nicht einfach so abstellen konnte. Die Bundeswehr hat mir sehr viele Möglichkeiten geboten mein zweites, eigentliches Ich ausleben zu können. Ich bin auf sehr viele Lehrgänge gegangen, um dann im Schutze der Nacht und der fremden Umgebung mich ausleben zu können. Das hat mir ein relativ normales Leben ermöglicht. Ich habe geheiratet und 2 wundervolle Kinder bekommen. Ich habe so oft alle meine weibliche Bekleidung weggeschmissen, weil ich dachte, jetzt bist du es endlich los. Aber das der Leidensdruck nur mal nicht so stark ist, heißt es nicht, das es nicht wieder stärker wird. Und so war es dann auch immer öfter und immer stärker. Also kamen wieder neue Klamotten her und endlich konnte ich wieder ein Glücksgefühl für mich verbuchen. Dieses Gefühl ist mit nicht zu vergleichen. Man empfindet ein wahnsinnig schönes Glücksgefühl wenn man bei der Geburt der eigenen Kinder dabei ist, wenn man sie das erste mal in den Armen halten darf. Ein geliebter Mensch ist geboren. Dieses wahnsinnige Gefühl des Glücks durfte ich zwei mal erleben. Wer das einmal miterlebt hat weis wovon ich spreche und das können somit sehr viele Menschen nachfühlen. Was aber nur wenige Menschen nachfühlen können ist wenn man selbst praktisch neu geboren wird und somit ein lebenslang schmerzender Leidensdruck endlich gemindert wird. Für alle Menschen die das nicht erleben dürfen, es ist fast wie bei der Geburt eurer eigenen Kinder, nur 100 mal intensiver, weil es in einem selbst passiert. Ich war nach der Bundeswehr Selbstständig um mein eigener Chef zu sein und mein Leben so ordnen zu können wie es mein Gefühl und mein Leidensdruck mir vorgeschrieben haben. Der Schuss ist gründlich nach hinten los gegangen. Der Menschenverstand sag schon, das wenn ich mir Büroräume anmiete um meine zweite Seite ausleben zu können und ich mich damit finanziell völlig übernehme, der komplette Zusammenbruch vorprogrammiert ist. Und so war es den auch. Es kam alles, von der Scheidung über dem Zerwürfnis mit der Familie bis hin zur Insolvenz. Also das volle Programm. Als Krönung der letzte Besuch einer Psychiatrie im Februar 2010 in dem der Arzt mir dann gesagt hat, das wenn ich nicht zu meinem eigentlichen Ich stehen würde, mein Leben vor die Hunde gehen würde. Mit diesem Wissen und meiner Sabine an der Hand ging es dann in das neue Leben. Ja, ich bin in der Insolvenz, ich sehe meine Kinder nur noch sehr selten, ich habe fast keinen Kontakt zu meiner Familie, ich habe keinen Job und vom Geld wollen wir mal nicht wirklich reden. Aber ich genieße jeden Tag, den ich habe eine sehr starke Frau die ich über alles Liebe an meiner Seite und ich habe dieses unbeschreibliche Glücksgefühl in mir, das mir sagt:” Los junge Dame, nur weiter so, du bist auf dem richtigen Weg in dein echtes Leben…”. Ich habe sehr oft versucht die Vergangenheit zu verstehen. Vielleicht sollte man die Vergangenheit und ihre Fehler aber auch nur einfach so hinnehmen wie sie sind und nach vorne Blicken, den mein Leben und das vieler Transsexueller ist nicht normal und wird es auch nie sein. Wir werden immer etwas besonderes sein, den wir tragen ein Glücksgefühl in uns, auf das die Menschen, die immer zurücksehen, ewig warten werden.

März 15

Never ending Story der Leber…

Mal wieder ein Arzttermin und mal wieder kein weiterkommen. Es sind zwar alle wichtigen chronischen Krankheiten ausgeschlossen worden, aber immer noch ist nicht bekannt was meiner Leber ein neues Jahreshoch beschert hat. Alles was über bleibt ist die Hoffnung das am 07.04.11 die erneute Blutabnahme endlich sinkende Werte eröffnet. Viele Freunde haben mir viele Tipps geschickt, um Leberwerte mit Naturheilmitteln zu normalisieren. Vielen Dank dafür… DSC00263 Ich werde nun frohen Mutes abwarten was passiert und jeden Tag auf´s neue meine Transsession mit all ihren Facetten genießen. Es sind die vielen kleinen Dinge, die das Leben so lebenswert machen. Danke Sabine….

März 11

Hurra… 100 Tage und es geht weiter…

Es sind wirklich schon 100 Tage im Flug an mir vorbei gezogen. Es kommt mir vor als wenn gerade erst der 1. Dezember seit ein paar Wochen vorbei ist. Wie kurz 100 Tage sich anfühlen können und was in dieser gefühlten kurzen Zeit alles schon passiert ist. Ich konnte endlich beginnen so zu leben, wie ich es schon lange gefühlt habe. Von den ersten Schritten als Transe  bis zu einer im Leben angekommenen Frau in Essen. Jeder Tag war und ist ein Erlebnis. Liebe Bio-Frauen, ihr wisst gar nicht wie schön Ihr es von Geburt an hattet. Ich erlebe es jetzt im Sauseschritt und muss sagen, das ich jeden Moment genieße. O.k. natürlich bin ich auch froh, das meine pinke Phase schnell vorbei war. Hello Kitty ist irgendwie nicht das richtige, wenn Frau zum 18 mal 20 wird. DSC00255 Ich habe in der zeit viele schöne und super liebe Komplimente und Kommentare bekommen. Wie zum Beispiel vor wenigen Wochen von einer sehr lieben Freundin aus Essen. Wir haben uns online kennen gelernt und sie wollte uns auf einen Cappu besuchen. Nach kurzem überlegen habe ich mich dafür entschieden, das ich ihr besser mal mitteile, das sie im begriff ist sich mit einem T-Girl und ihrer Frau zu treffen. Ich habe sie beim chatten somit gefragt ob ihr was an meinem Profilbild auffallen würde und das sie doch mal richtig hinschauen sollte. Die Reaktion hat mich dann umgehauen. Ich habe ja mit vielem gerechnet, das sie den Besuch absagt oder das es ihr unangenehm ist… Aber nein, sie hat mich nur gefragt: Bist du schwanger??? O.k. das musste ich erst mal sacken lassen. Ich habe ihr dann erklärt, das ich eigentlich etwas anderes meinte und das dieser (Bier)-Bauch meine Reserve ist, damit die Hormone genug Material haben um die weiblichen Rundungen bei mir formen zu können SmileyZwinkerndes Smiley. Sie ist dann aber zum Glück zum Cappu erschienen und das war der Beginn einer wunderbaren Freundschaft. Danke Gaby. DSC00244 Wie gesagt, viele Kommentare, von “Bist du schwanger” bis zu “Du alte Drecks..”. Bis auf diesen kleinen verbalen Ausrutscher waren alle Meinungen sehr positiv. Ich muss ehrlich gestehen, das ich überrascht war als bei Gesamt 4100 Klicks auf diese Seite sage und schreibe 19 Kommentare von den Lesern hinterlassen wurden. Ich muss gestehen, das ich eure Meinungen sehr schätze, ob in einem persönlichen Gespräch oder hier im Blog als Kommentar. Natürlich würde ich mich freuen wenn mehr Leser den Mut und die Zeit finden würde, ihre Meinung hier zu hinterlassen. Dafür und für euch liebe Leser, VIELEN DANK!! Es ist so viel passiert, das ich schon überlegen muss ob ich jetzt alles Revue passieren lasse. Ich denke die wichtigsten Ereignisse sollten reichen. Ich habe das große Glück gehabt, eine Frau heiraten zu dürfen die meinen Weg, meine höhen und tiefen und mein Leben mit mir in einer beeindruckenden Weise teilt. Sabine ich Danke dir für die letzten 100 Tage und freue mich auf die nächsten 100 Jahre mit dir an meiner Seite. Selbst der Gerichtstermin zur Vornamens- und Personenstandsänderung war mit Ihr ein wahres Vergnügen. Wobei ich auch einen sehr netten Richter hatte. DSC00241Auch möchte ich vor meiner Ex-Frau den Hut ziehen, die mir bei den Outing gegenüber meiner Kinder sehr geholfen hat. Natürlich kann nicht alles nur positiv verlaufen und somit muss ich auf der traurigen Seite verbuchen, das ich meine Kinder seit Dezember nicht mehr in den Armen halten konnte. Tägliches telefonieren und gelegentliches Videochatten sind kein Ausgleich für das Gefühl seine Kinder in den Arm nehmen zu dürfen. Da bleiben sehr viele Nächte mit dicken Tränen nicht aus, denn ich vermisse euch so sehr. Auch das meine Leber mit mir ein übles Spiel spielt, trägt nicht zur Erheiterung bei. Die Zeit wird zeigen ob sich der Spruch “Gut Ding will weile haben” bewahrheitet. Alles in allem waren es sehr schöne 100 Tage und ich möchte nicht einen Tag davon missen. Ich freue mich schon darauf, viele neue Dinge erfahren zu dürfen und ich werde jede Sekunde und jeden Moment meines neuen Lebens genießen. Es geht weiter und somit sage ich zu Sabine jeden Morgen: “Aufbrezeln und dann raus und der Welt zeigen wer wir sind…”

März 4

Traurig in Essen…geht es weiter??

Heute habe ich die neuen Laborergebnisse für meine Leberwerte bekommen. Was auf einem Kontoauszug für Begeisterung sorgen würde hat in diesem Fall tiefe Traurigkeit und die große Frage “Warum immer ich..” ausgelöst. Die Werte sind so dermaßen Hoch, das ich die Hormontherapie schon mal für eine sehr lange Zeit abschreiben kann. Wie es weiter geht weiß ich nicht, den meine Ärztin wird mir diese Frage erst nach ihrem wohlverdienten Urlaub beantworten können. Damit geht wieder eine Woche ins Land. Da kann Frau sich schon gar nicht mehr so richtig über die positiven Entwicklungen in der Epilationsfrage freuen oder über den Bescheid vom Gericht in dem die Gutachter beauftragt wurden. Was ist, wenn die Leber sich nicht mehr erholt?? Keine Hormone, kein Brustaufbau, keine GaOP… bleibt eine vor dem Gericht anerkannte Frau die in einem männlichen Körper gefangen ist über??? Sollte es das gewesen sein??? Was macht Mutter Natur mit mir??? Sie hat mich in einen falschen Körper geboren und jetzt wo ich mich endlich meinem wahren Ich stelle passieren Sachen die nicht zu diesem vorbestimmten Weg passen. Und dann wieder die Frage “Warum ich…”. Ich könnte sicherlich auf die ganze rechtliche Geschichte wie Vornamens- und Personenstandsänderung verzichten, wenn ich mich bloß in diesem Körper wohl fühlen könnte. Ich könnte auf eine Epilation verzichten und mich auch als Frau weiterhin jeden Tag 2 mal rasieren, denn das kann man alles wegschminken. Aber die Möglichkeit auf die Wirkung der Hormone verzichten zu müssen… Wird mir die Möglichkeit genommen, mich auch Körperlich ein Stück weiblicher fühlen zu dürfen??? Ich bin so dermaßen traurig…. Das absurde an der Geschichte ist, das in noch vor Jahren nur von Coka Cola, Nutella und Zigaretten gepaart mit sehr viel Stress gelebt habe und da waren die Werte nie erhöht… Was soll das, ich verstehe das nicht… Jetzt heißt es wieder abwarten, wie schon die letzten Monate. Immer wieder warten… Es stimmt schon, die hälfte ihres Lebens wartet das T-Girl vergebens… Also werde ich mal wieder warten… Alles liebe, Pam